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Francesco Barbaro : Früh-Humanismus und Staatskunst in Venedig / Percy Gothein
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VIII ALTERSWEISHEIT

Parteihäupter vor sich. Inzwischen waren aber so viele Anhänger derMedici herbeigeeilt, daß Albizzi sich nicht mehr traute, sein Haupt-quartier im Dominikanerkloster Santa Maria Novella zu verlassen, umdie Stadt zu betreten, sondern bei Nacht und Nebel mit seinem ganzenAnhang aus Florenz entwich. Noch bevor sein Gegner zurückberufenwurde, ist Rinaldo förmlich verbannt worden. Darauf begab er sich anden Hof des Herzogs Filippo Maria Visconti , den er von nun ab ohneAufhören gegen die Florentiner aufstachelte.

Inzwischen hatte sich Cosimo in Venedig durch einen Vertrauten überdie bevorstehende Umwälzung in Florenz unterrichten lassen und verließdaraufhin am 29. September 1434 die gastliche Stadt. Die florentinischeSignorie gab ihm Weisung, heimlich bei Nacht und auf Umwegen zumPalazzo Vecchio zu kommen, da man fürchtete, die begrüßende Volks-masse würde sich in den engen Gassen zu sehr stauen. Gegen seineFeinde verfuhr Cosimo nach seiner Rückkehr streng. Einige, die sich nachVenedig geflüchtet hatten, wurden von dort an ihm ausgeliefert und inFlorenz hingerichtet. Andere wurden verbannt, auch der gelehrte undverdiente Palla Strozzi mußte aus Florenz weichen und nahm für seinenLebensabend Wohnsitz in Padua , wo wir ihn bei feierlichen Doktor-promotionen an der Seite seines alten Freundes Barbaro treffen.Cosimo war nach der Rückkehr der eigentliche Herr von Florenz , ohnees nach außen fühlen zu lassen. Nach der ersten notwendigen Strengeführte er ein mildes Regiment in der Stadt. Er brachte die vielbestaunteBlüte des Humanismus und der bildenden Künste zur Entfaltung, dieunter seinem Enkel zur Frucht ausreifte, so daß man dem Renaissance-zeitalter zu Recht den mediceischen Namen verliehen hat. In der Politikhatten Florenz und Venedig auf lange Zeit hin denselben Feind, der siezusammenschmiedete, den Herzog Filippo Maria . Im Streit mit ihmstützte sich Cosimo besonders auf den in Toscana geborenen und inFlorenz großgewordenen Francesco Sforza ; an ihm hielt er unbedingtfest, trotz der wechselvollen Politik des Grafen. Das mußte mit der ZeitSchwierigkeiten mit Venedig heraufbeschwören. Noch 1437, als Barbaroeben sein Amt in Brescia angetreten hatte, schrieb er an die beiden Medici zwei mitfühlende, um sie und Florenz besorgte Briefe, da am Arno Kriegund Pest wüteten. Aber schon in diesen Briefen kündigen sich die Wirren