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Francesco Barbaro : Früh-Humanismus und Staatskunst in Venedig / Percy Gothein
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KARDINAL VITELLESCHI

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Kardinal Gabriele Condulmieri und, als dieser Papst Eugen iv. wurde,mit dessen Bruder Francesco. Am nächsten aber stand ihm KardinalScarampo; mit ihm pflegte er bedeutsamen politischen Briefwechsel.Es ist auffallend, daß er gerade diejenigen Kardinäle für den brief-lichen Austausch bevorzugte, die von der kirchlichen Geschichts-schreibung als weltlich getadelt werden. Barbaros Verkehr mit Päpstenund Kardinälen berührt nie religiöse Fragen, gelegentlich die Kirchen-verwaltung, hauptsächlich aber die kuriale Italien - und Weltpolitik.Während der unruhigen Zeit des Pontifikates Eugens IV. bedurfte dieaufsässige Stadt Rom tatkräftiger Gouverneure und soldatischer Kardi-näle, um die Kondottieren aus dem Felde zu schlagen, die den Kirchen-staat als Beute unter sich verteilen wollten. In den vergangenen Jahr-zehnten zu Petrarcas Zeiten war es der kriegstüchtige spanische KardinalAlbornoz, der dem Papst den abtrünnigen Kirchenstaat zurückeroberte;zu Barbaros Zeit sind es die Kardinäle Vitelleschi und Scarampo, die fürdie Kirche das Schwert ziehen.

Vitelleschi 76 war ursprünglich Soldat und wurde unter Martin V. Priester.Unter Eugen IV. durcheilte er eine wildbewegte und jäh abbrechendeLaufbahn. Auch im priesterlichen Kleide blieb er Krieger und hat demPapst dadurch wertvolle Dienste geleistet. Als rasch aufbrausender undjähzorniger Mann war er an der Kurie sehr unbeliebt. Biondo, der als seinUntergebener diplomatische Aufträge mit ihm auszuführen hatte, haßteihn besonders. An mehreren Stellen seiner Dekaden äußert er sich ab-fällig über diesen Kirchenfürsten: in ihm habe das Glück einen Un-würdigen in die Höhe gebracht. Leider schätze ihn Papst Eugen über-mäßig und höre auf niemanden, der ihm etwas über die schlimmen Eigen-schaften und die Untaten seines Günstlings hinterbringen wolle 77 . Nach-dem er die Feinde des Papstes niedergeschlagen hatte, führte Vitelleschiin Rom ein drückendes und grausames Regiment. Barbaro sah aus derFerne nur die Waflenerfolge der Schlüsselsoldaten und stellt 1436 mit Be-friedigung fest, Vitelleschi habe durch seinen Sieg bei Priverno gelehrt,daß die Feinde der Kirche auch besiegt werden könnten 78 . Er schreibt anden Sieger, der damals noch Patriarch von Alexandria (in partibus infi-delium) war, lobend und beglückwünschend. Die Tatsache, daß derLegat die gefangenen feindlichen Heerführer habe hinrichten lassen, trage