KARDINAL SCARAMPO
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erwähnt, einen bösen Seitenblick auf ihn 83 . Er sei von Gestalt klein ge-wesen, habe stolz und finster dreingeblickt, in Rom habe er mit derselbenStrenge regiert wie sein Vorgänger Vitelleschi; er habe üppig und ver-schwenderisch gelebt, so daß er an der Kurie den Namen Kardinal Lu-cullus trug. Von anderer Seite wird aber gerühmt, daß er sich großepolitische Verdienste um Papst Eugen IV. erworben habe. Von denflorentinischen Humanisten stand ihm hauptsächlich Poggio nahe.Dieser widmete ihm die Sammlung seiner Briefe, die nach der Rückkehraus England entstanden waren, und erwähnt, daß der Kardinal dafür ge-sorgt habe, daß seine, Poggios, Briefe dem Papst vorgelesen würden.Der Verkehr mit Barbaro ist bis auf einen späten Glückwunschbriefdes Kardinals zur Erhebung des venezianischen Freundes zum Proku-rator von San Marco nur einseitig in den an den Kirchenfürsten ge-richteten Briefen Barbaros erhalten. Er beginnt 1436, als Scarampo durchMartin V. zum Bischof von Trau in Dalmatien erhoben worden war. EineReihe dieser Schreiben sind Empfehlungsbriefe, wie wir sie schon bei Tra-pezuntios und Zacharias Trevisano dem Jüngeren erwähnten. Da Barbarounzählige Empfehlungsbriefe zu schreiben hatte, — die Hilfsbereitschaftfür andere Menschen gebot ihm seine pietas — bildete sich bei ihmallmählich eine besondere Kunstform des Empfehlungsbriefes heraus,ähnlich wie bei humanistischen Kondolenzbriefen. Weil er stets demSchablonenmäßigen abhold war, durchdringt sein reger und gestal-tender Geist immer wieder aufs neue die zu erstarren drohende Form.Betrachten wir einen solchen Brief an Scarampo, den Barbaro nichtlange vor seinem Tode geschrieben hat, einen der letzten nach vielenderselben Gattung. Barbaro empfiehlt hier den Taddeo Quirino 84 , denSohn eines Jugendfreundes: «Petrus Quirinus, ein Mann von patrizi-schem Stande, war mir unter meinen Altersgenossen von Jugend ansehr verbunden; weil ich, wie du weißt, die Freundschaft mit den Leben-den unentwegt pflege und mich auch den Toten niemals entziehe, sohielt ich es für meine Pflicht, aus Liebe zu seinem Vater auch Taddeo zufördern, damit er durch die Tat erkenne, daß auch Freunde, die fernsind, gegenwärtig sein und, was noch wunderbarer ist, daß auch Ver-storbene noch mit uns leben können.»Alsdann lobt Barbaro die Vorzügedes jungen Taddeo, der in den Dienst der Kirche treten will. «Darum,