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Francesco Barbaro : Früh-Humanismus und Staatskunst in Venedig / Percy Gothein
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VIII ALTERSWEISHEIT

weil mir scheint, ich kann durch mein Schreiben seiner Erwartung undmir selbst kaum genugtun, wenn ich in dieser Angelegenheit Worte ge-brauche, wie wir sie tagtäglich anwenden, so möchte ich wünschen, ausdem innersten Quell der Redekunst eine ganz wunderbare Art der Emp-fehlung schöpfen zu können. Falls mir das nicht geüngen sollte, so be-mühe du dich bitte mit deinem gewandten Geist, daß Taddeo glaubt, essei durch meine neue und ungewöhnliche Schreibweise erreicht worden,daß er deine herzliche Zuneigung zu mir und meine zu ihm und seinemVater erkenne und darüber staune, daß ein Kunstwerk ohne Kunstentstanden sei.»

Wenn aber einmal eine Empfehlung, die ihm sehr am Herzen lag, nichtfruchtete, konnte Barbaro auf seinen Freund, den Kardinal, auch bösewerden. Wir hörten schon von Barbaros Fürsorge und Ehrgeiz fürseinen Neffen Ermolao. Zweimal bemühte er sich vergeblich, diesen zumBischof von Bergamo und später von Padua zu machen. 1437 war Er-molao von den Kanonikern und dem Volk der Bergamasken bereits er-wählt, aber von der Kurie noch nicht bestätigt worden. Infolge einernicht aufgedeckten Intrige hatte man einen Unwürdigen ihm vorgezogenund an seine Stelle gesetzt. Barbaro empfindet diese Zurücksetzung alseine Schmach, die man der Ca Barbaro angetan habe. Selbst Papst Eugen,dessen Familie dem Hause Barbaro früher so viel zu verdanken gehabthätte, habe dem Ermolao denBergamasker Bischofsstuhl versprochen. Inseiner uns wohlbekannten venezianischen Ausdrucksweise ruft Barbarodeshalb dem Kardinal zu: «Ich hätte nicht geglaubt, daß, während duam Steuerruder der römischen Kirche sitzt, wir im Hafen bei glücklichenund günstigen Winden noch Schiffbruch erleiden könnten 1»Nachdem erseiner Entrüstung über die Benachteiligung freien Lauf gelassen hat, be-ruhigt er sich mit den Worten, daß er gleichmütig ertragen wolle, was ohneseine Schuld geschehen sei. An seiner Haltung gegenüber dem HeiligenStuhl, seiner persönlichen Treue zum Papst und zu Scarampo werde sichnichts ändern, aber er erwarte auch, daß die letzte Zurücksetzung bei derersten sich bietenden Gelegenheit wieder gutgemacht würde 86 .Durch seinen Neffen Ermolao war Barbaro stets mit der römischen Kurieverbunden. Als Privatmann wußte er durch seine Verträglichkeit und ent-waffnende Liebenswürdigkeit die meisten Streitigkeiten beizulegen, zum