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Francesco Barbaro : Früh-Humanismus und Staatskunst in Venedig / Percy Gothein
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BARBARO UND DIE KURIE

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Bei spiel unter den Humanisten, als Staatsmann aber, als Vertreter des vene-zianischen Staates, darf er nicht immer seinen persönlichen NeigungenRaum geben, weil er selber in die politischen Schicksale seines Jahrhundertsverflochten ist und sich nach ihnen richten muß. Barbaros außervene-zianische Beziehungen wurden immer wieder durch die Wechselfälle dergroßen Staatspolitik durchkreuzt. So war es mit dem Einvernehmen,das er 1444 mit dem Herzog Filippo Maria hergestellt hatte, ebensoauch mit Francesco Sforza und selbst mit Cosimo de'Medici . In allendiesen Fällen läßt sich voraussagen, wann die treibenden politischenKräfte das persönlich gute Verhältnis Barbaros zu jenen Staatsmännernsprengen mußten. Wir faßten gerade diese Punkte ins Auge, weil inder von der Not erzwungenen Entscheidung, die Barbaro treffen mußte,sich die unerschütterliche Haltung seines Charakters am schönsten offen-barte. Der selbe Vorgang spielte sich auch in seinen Beziehungen zu derKurie unter Eugen IV. ab. Während dieser Papst Venedigs Freund blieb,dauerte die Verbindung Barbaros zu Rom in unverminderter Herzlich-keit. Als aber Eugen in seiner schwankenden Politik auf die Seite derGegner Venedigs trat (er wollte den Grafen Sforza, der damals noch aufdie Venezianer sich stützte, aus dem Kirchenstaat verdrängen, wie esuns schon aus andern Zusammenhängen bekannt ist), da brachte erBarbaro in eine sehr schwierige Lage. Solange Venedig in Rom einenVerbündeten sah, war Barbaros Vertrautheit mit den Machthabern ander Kurie willkommen; mußte man aber im Papst den politischenGegner befürchten, so waren eben diese Beziehungen für Barbaro ge-fährlich und machten ihn zu Hause verdächtig. Noch darüber hinauswurde hiermit ein Keil in die eigne Familie getrieben, denn der vonihm auf seiner Laufbahn stets betreute Neffe Ermolao stand als Unter-gebner des Papstes gezwungenermaßen auf der Gegenseite. Wie ver-hält sich nun Francesco Barbaro in dieser schwierigen Lage, in die erohne seine Schuld geraten ist ? Ermolao selber hatte sich für die Kurieentschieden. Diesen Schritt nahm man dem apostolischen Protonotarim venezianischen Senat sehr übel, wie ihm sein Onkel Francesco am8. November 1442 86 schreibt. Ermolao solle doch versuchen, ob ernicht vom Papst als Legat nach Florenz oder Venedig gesandt werdenkönnte, damit er sich dabei auch um sein Vaterland verdient machen