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Aus dem Leben eines deutschen Bibliothekars : Erinnerungen und biographische Aufsätze / von Otto Hartwig. [Hrsg.: Erich Liesegang]
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waren die beiden ersten vermutlich nur noch in einem Exem-plar vorhanden,- ein Grund mehr, sie der Vergessenheit zuentreißen. Zudem gibt das unter dem TitelÜber die Zu-kunft der nationalen Partei in Preußen " mitgeteilte an H.v. Treitschkc gerichtete Sendschreiben eine Probe von der aus-gedehnten publizistischen Tätigkeit, für die Hartwig nebenseiner Berufs- und Gelehrtenarbeit bis zu seinem Lebensendestets Muße fand. Vor allem aber ist eben dieser aus demWinter 1869 auf 1870 stammende Aufsatz eiu lebendigesDokument aus der großen Zeit unserer nationalen Einigung.Er zeigt uns gleichgültig ob der Verfasser die damalige Lagerichtig oder unrichtig beurteilt hat den Mann, der sotreu zu seiuen Freunden und zu seiner engeren Heimat stand,als einen glühenden Patrioten, der die Zeichen des Tageszu deuten suchte und seinen Gesinnungsgenossen gegenüber inbanger Sorge um des großen Vaterlandes Zukunft die For-derung erhob, daß sie der Förderung des Einheitswerks zuLiebe ihre prinzipiellen Bedenken zurücksetzen müßten!

Und in dem Zusammenhang soll an ein anderes, nurWenigen Bekanntes erinnert werden. Aus der hier mitge-eilten biographischen Skizze Ludwig Bambergers ist ersichtlich,mit wie geteilten Empfindungen Otto Hartwig den Gang derBismarckschcn Politik in: Innern während der siebziger undachtziger Jahre verfolgt und beurteilt hat. Als aber imJahre 1893 unter dem zweiten Reichskanzler die große Wehr-vorlage zur Entscheidung kam, da ist gerade er es gewesen,der seinen näheren politischen Freunden mit guten: Erfolgdas Gewissen schärfte, sich der Forderung des Vaterlandesnicht zu versagen.

Wiesbaden , am 16. November 1905.

Erich Liesegang.