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fischen Examen ivar er mehrere Jahre Hauslehrer bei einemFörster Cornelius in Roushausen gewesen und hatte dann diePfarrei Wichmannshausen , deren Jahreseinnahme nach Regelungder Pfarrgehälter auf 900 M. normiert war, erhalten.
In Marburg herrschte zu seiner Studienzeit ein milderSupranaturalismus in der theologischen Fakultät; der Ver-treter der Ethik und praktischen Theologie war jedoch ein aus-gesprochener Rationalist. Mein Vater, einer Familie entstam-mend, in der evangelische Frömmigkeit und Gewissenhaftigkeitdas geistige Lcbenselement bildeten, hatte sich mehr der erstenRichtung angeschlossen, der er mit einigen Schwankungenbis an sein Lebensende treu geblieben ist. Mehrere seinerKommilitonen, welche wie er der deutschen Burschenschaft an-gehört hatten, haben mir später von der strengen Sittenrein-hcit seines Lebens erzählt. Ich selbst habe keinen Menschengekannt, bei dem alles Handeln so sittlich-religiös normiertivar, wie bei ihm. Er war daher auch ein sehr gewissen-hafter Prediger und Seelsorger, dabei aber nichts weniger alsein Kopfhänger und Pedant. Genügsam in seinen Ansprüchenan das Leben und arbeitsfreudig war er ein Freund der Na-tur und machte ab und zu eine kleine Reise. Gern erzählteer wohl noch in spätercnJahren von einer lustigen Fußreise, welcheer am Schluß seiner Studienzeit mit einer ganzen AnzahlKommilitonen von Marburg über Frankfurt, Heidelberg , dannRhein abwärts bis Köln und zurück durch das kölnische Sauer-land gemacht hatte. Im Winter nahm er wohl auch aneinigen Treibjagden teil. Auch hat er mich, als ich nochnicht recht laufen konnte, an Sonntagnachmittagcn, nachdemer schon an zwei Orten gepredigt hatte, auf seinem Rückeneine Stunde weit auf die Bohneburg getragen. Dort wurdemir der Harz, der Thüringer Wald und der Meißner gezeigtund nach der Wartburg hinübergeschaut. Später hörte ichhier zuerst vom Kaiser Rotbart, der auf dem „Königsstuhle"zu Gericht gesessen hatte, erzählen und vor meinen jungenAugen wurden die zahlreichen Sagen lebendig, die sich an
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