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Aus dem Leben eines deutschen Bibliothekars : Erinnerungen und biographische Aufsätze / von Otto Hartwig. [Hrsg.: Erich Liesegang]
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das Matnritätsexamen wohl bestanden hatte, bezog ich dieUniversität Marburg , um Theologie und Philologie zu studieren.

Hatte ich damals ganz meinen! Willen folgen können,so würde ich nach Göttingen gegangen sein, um Philologie undGeschichte zu studieren. Allein mein Vater wünschte, daß seinErstgeborener seinem Berufe folge. Er sah in jenen Zeiten,in denen die Welt noch in einen! ganz anderen Maße alsheute in ruhigem sozialen Beharren war, es als ein Zeichenvon Unzufriedenheit des Vaters mit dem eigenen Berufe an,wenn der Sohn nicht dem des Vaters folge, und meinte, ichkönne mich später ja noch immer entscheiden, ob ich Geist-licher oder Lehrer werden wolle. Durch einen Zufall hatteer für mich eine Stelle in der Marburger Stipendiatenanstalterhalten und glaubte hierin, da ich dann wenigstens vierJahre studieren müsse, eine Billigung seiner Pläne mit mirzu finden. Hatte er doch auch bei mäßiger Besoldung undgeringem Vermögen noch für meinen jüngeren Bruder Theodor-auf dem Hersfelder Gymnasium zu sorgen. Und kärglichsollte ich aus der Universität auch nicht leben. Er hat unr-einen für seine Verhältnisse guten Wechsel mitgegeben undmir gesagt, das Einzige, was er von mir in dieser Beziehungverlange, sei das, daß ich ihm später keinen Vorwarf darüber-mache, daß er mir soviel Geld auf der Universität gegebenhabe. Ich söhnte mich daher auch bald mit Marburg aus.Und das um so leichter, als ein wirklich genialer Gymnasial-praktikant in Hersfeld namens Fuhrmann mir einredete, eswerde mir ja doch nicht so sehr auf die Lehrer ankommen,jetzt könne man das Nötige leicht aus Büchern für sich stu-dieren. Hätte ich auch allein auf die Tüchtigkeit der Lehrersehen wollen, so waren damals in Marburg eine solche Zahlder ausgezeichnetsten jungen Gelehrten zusammen, wie sie kaumeine andere deutsche Hochschule jener Tage vereinigte. Manwird das nicht übertrieben finden, wenn ich die Namen Th.Bergk, R. Bunsen , I. Gildemeistcr, E. L. Th. Henke, I.Rubino, H. von Sybel, H. I. Thiersch, Th. Waitz und Ed.