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Zeller nenne. Ich bezog also, ohne vielen Widerstand zuleisten, die Universität Marburg und war auch nicht ungehalten,mich sofort mit Theologie ernstlich beschäftigen zu müssen.Denn ich mußte, da ich auf dem Gymnasium das Hebräischenicht getrieben hatte, mich zu einem kleinen Examen vorbereiten,das ich auch bei Gildemcister gut bestand, lind da ich michstets aus innerer Nötigung auch für religiöse Fragen lebhaftinteressiert hatte, stürzte ich mich rasch entschlossen in die Streit-fragen hinein, die zwischen der Tübinger (Baurschen) Schuleund der Orthodoxie, beide durch so ausgezeichnete Häupterwie Ed. Zeller und H. I. Thiersch in Marburg vertreten,damals verhandelt wurden. Ich studierte eben Theologie, nichtum Geistlicher zu werden, sondern um mich mit der religiösenFrage auseinander zu setzen, wie mir zwei Jahre später A.Tholuck in Halle auf den Kopf sagte. Die Macht des väter-lichen Vorbildes, drückende Sorgen um das Wohl der schwererkrankten Mutter und persönliche Erfahrungen hielten michstärker, als ich ursprünglich gedacht hatte, auf der positivenSeite fest. Ich hörte bei Thiersch über den Römerbrief, unddas folgende Semester, da man dem Jrvingianer die veiriuleALircli entzogen hatte, nur mit zwei anderen Studenten aufseiner Stube eine Vorlesung über den ersten Teil der Kirchen-geschichte, aus der sein bekanntes Buch über die älteste Kircheerwachsen ist. Auch trat ich in eine christliche Studenten-verbindung, den Wiugolf, ein. Da sich diese aber als eineClique von jungen Hasseupflng-Vilmarschen Parteigängern ent-puppte, zu der ich in keiner Weise gehörte, verließ ich miteiner Anzahl Freunde im Winter 1850'51 diese Gesellschaftund half eine Burschenschaft begründen, der ich dann bis znmSchlüsse meiner Studienzeit mit großem Eifer und dem Auf-gebot von viel Zeit und Geld angehört habe. Die Verbin-dung bildete mein erstes Versuchsfeld im praktischen Leben.Sie sollte Ideale darstellen und fördern helfen, für die einerfür Freundschaft, Freiheit und Vaterland begeisterten Jugendzu schwärmen so wohl ansteht. Wenn ich auch einräumen