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Aus dem Leben eines deutschen Bibliothekars : Erinnerungen und biographische Aufsätze / von Otto Hartwig. [Hrsg.: Erich Liesegang]
Entstehung
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war mir durch eingehendere Beschäftigung mit der mittelalter-lichen deutschen Geschichte nahe gelegt. Denn ich hatte seit1858 schon beschlossen, auf eine bis auf diese Tage nochnicht zur Ausführung gebrachte Anregung in Gieselers Kirchen-geschichte hin, eine zusammenfassende Arbeit über dieKalandsgildcn in Angriff zu nehmen, und dazu fleißig diein allen möglichen Zeitschriften, seltenen Drucken usw. zer-streute Literatur gesammelt. Eine Untersuchung über dieEntstehung dieser weltlich-geistlichen Bruderschaften führte rück-wärts auf die Entstehungsgeschichte des Gildenwesens über-haupt. Ich vertiefte mich in die Anfänge des deutschenStädtewesens, das man damals mit dem Gildenwescn inVerbindung brachte, ja in die Anfänge der deutschen Verfas-snngszustände überhaupt. Daß ich, auf diese Art arbeitend,nicht rasch vorwärts kam, begreift sich leicht. Ebenso, daßvon meinen Vorarbeiten nur ein kleiner Abschnitt, die Unter-suchungen über die ersten Anfänge des Gildenwesens, zur Aus-arbeitung und zum Druck gelangt ist. G. Waitz nahn: siein das erste Heft der von ihm herausgegebenenForschungenzur deutschen Geschichte" auf und sprach sich in seinem Seminarsehr günstig über dieselben aus, wie denn der Aufsatz auchjetzt noch nicht vergessen ist, nachdem soviele eingehende For-schungen über das Gildenwesen im allgemeinen angestellt sind.Sicher hätte ich diese Studien auch fortgesetzt, wenn nicht einetotale Wendung in meinen Geschicken Plötzlich eingetretenwäre.

Mich in Marburg zu habilitieren, hatte ich aus den obenangedeuteten Gründen aufgegeben. Eine Berufung als zweiterBibliothekar nach Erlangen hatte, wie er mir selbst spätersagte, der mir sonst persönlich zugetane H. von Sybel ausRücksicht auf die ganz Prekäre Lage, in der sich sein Partei-genosse und mein Mitbewerber E. F. Rößler befand, schon1858 durch seinen Einfluß in München mit schwerer Mühevereitelt. Es ist das nicht das einzige Mal geblieben, daß mirsonst gute Bekannte und Freunde nicht förderlich gewesen sind.