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gelernt hatte, verlebte ich eine» interessanten Abend. Alswir in Rom einmal von der Fürstin Wittgenstcin in reser-vierten Räumen des Vatikans herumgeführt wurden, erschienendie berühmtesten Kardinäle der damaligen Zeit, Antonelli undMerode, offenbar nur um die deutsche Schönheit zu bewun-dern. Mir trug das das Vergnügen ein, die frommen Kir-chenfürsten in der Nähe zu sehen.
Von München zog ich über Hanan, Frankfurt, Marburg ,wo ich meinen Geburtstag feierte, zu meinem Bruder nachKassel , der damals eine Dienstwohnung im HessenstcinschenPalais hatte, und langte am 1. Dezember 1865 in Witzcn-hnnsen an. Dort wohnte meine Schwester Mathilde, die mitdem Zigarrenfabrikanten Wilhelm Joseph verheiratet war,und meine Tante. Bei ihnen wollte ich den Winter überarbeiten und die Entwickelung meiner Persönlichen Geschickeabwarten und fördern.
Es war zunächst »reine Absicht, eine Sammlung meinerSizilien betreffenden schon gedruckten Aufsätze zu veranstaltenund zu ihnen einige neue zu schreiben, so daß ich die Ge-schichte der Insel nach einigen ihrer wichtigsten Seiten hinauf Grund meiner Studien bis zu der dort von mir selbsterlebten Gegenwart vorlegen könne. Sobald meine Bücher,die den Seeweg über Hamburg gemacht hatten, angekommenwaren, setzte ich mich fleißig an die Arbeit. Der überaus >
milde Winter von 1865/66 brachte mir auch nur geringeBeschwerden. Das Bedürfnis, mich wenigstens mit einemwissenschaftlich hochgebildeten Manne zu unterhalten, konnte ichin Witzenhansen auch befriedigen. Es lebte dort ein scharf-sinniger Sanskritkcnner, Dr. Bollenscn, der in Rußland Pro-fessor und Bibliothekar gewesen war. Die Nähe Göttingensgestattete mir auch Wanderungen dorthin zu unternehmen.
Als ich dort G. Waitz aufsuchte, empfing er mich sehrfreundlich und sagte: Wissen Sie denn, daß wir Sie einmalhierher haben berufen wollen? Da ich dieses verneinen konnte,erzählte er, daß er und A. Dörner, den ich 1855 kennen