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Aus dem Leben eines deutschen Bibliothekars : Erinnerungen und biographische Aufsätze / von Otto Hartwig. [Hrsg.: Erich Liesegang]
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der unvergeßlichen Villa Malta bei billiger deutscher Ver-köstiguiig und gutem Rotwein doccün mit. Dann ging es, miteinem diplomatischen Passe versehen, da ich eine Depesche derpreußischen Gesandtschaft in Angelegenheit der Kölner Erz-bischofswahl bis zur Grenze des Kirchenstaates bei mir hatte,über Pisa nach Florenz . Bald Ware ich hier hängen geblieben.Die Stadt stand damals in ihrem Nmwandlnngsprozesse znrHauptstadt Italiens . Überall wurde gezimmert und gehämmert;im Palazzo vecchio und den Uffizien sollten die parlamenta-rischen Körperschaften untergebracht werden. Da ich mit deindamaligen Minister des Innern, Baron Natoli, von Messina her näher bekannt war, auch an den preußischen Gesandten,Herrn von üscdom, schon früher eine Empfehlung MaxDunckers erhalten hatte, kam ich auf die Idee, in Florenz als Zeitnngskorrespondent zu bleiben. Ich fürchtete mich vordem deutschen Winter. Doch zerschlugen sich zu meinem Glückedie mit einem großen liberalen Blatte Deutschlands ange-knüpften Verhandlungen, und ich reiste über Bologna, Ferraraund Venedig der Heimat zu. Ich ärgerte mich noch, daßich in den: damals noch österreichischen Verona kein Eisenbahn-billett nach der deutschen Stadt Bozen, sondern nur nachBolzano erhalten konnte. Über den Brenner dauerte diePvstfahrt bis Innsbruck eine Stacht und fast einen ganzen Tag.

An: 30. Oktober kam ich in München an, wo ich einenlängeren Aufenthalt nehmen und den Freunden Platens in:Liebigschen Auditorium Bericht über die Denkmalangclegenhciterstatten mußte. Ich habe niemals vor einer vornehmerenZuhörerschaft gesprochen und lernte dadurch viele höchst in-teressante Männer persönlich kennen. Liebig forschte michstundenlang über die sizilischen Agrarvcrhältnisse aus, mitGiesebrecht hatte ich eingehende Gespräche über geschichtlicheund politische Dinge, mit Pfcufer, Geibcl, Bodenstedt, diemich in die Gesellschaft der Krokodille mitnahmen, war derVerkehr sehr angenehm. Auch bei I. Braun, den ich mitseiner schönen und liebenswürdigen Frau in Rom kennen