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Lehrer an ein altprenßisches Gymnasium versetzt worden sein,hörte ich später. Obgleich ich mit meiner Stellung in Rin-teln sehr zufrieden war und mir auch die Liebe meiner Schü-ler so erworben hatte, daß sie mir einen Lampion-Fackelzugbei meinem Abschied brachten, reiste ich vergnügt zu Pfingstennach Marburg ab. In Hannöversch Münden traf ich mitmeiner Braut und zufällig mit G. Waitz zusammen, der zuFuß dort hingegangen war, mir herzlich gratulierte und zu-redete, mich in Marburg noch zu habilitieren. — In Rinteln hat sich dann bald nach meinem Weggange am Gymnasiumgar vieles geändert. Alle damaligen Kollegen sind jetzt schontot. Bei dieser Gelegenheit überlege ich, daß von allen mei-nen Lehrern auf der Schule und Universität nur noch Ed.Heller lebt, den ich noch kürzlich in Stuttgart munter undfrisch gefunden habe. Von R. Haym , bei dem ich in Hallenur hospitiert hatte, und mit dem ich seit 1860 durch diePreußischen Jahrbücher in Verbindung, und seit 1876 inimmer mehr wachsenden freundschaftlichen Verkehr gekommenwar, erhielt ich, während ich diese Zeilen schrieb (Juni 1899),einen ausführlichen Brief, der den 78jährigen Gelehrtennoch in bester Kraft stehend zeigt. Noch liest er in Hallevor Hunderten von Zuhörern und hofft das hundertste Seme-ster seiner akademischen Tätigkeit zu erreichen. (I O. b. v.!— Diese beiden Philosophen sind also noch die einzigenRepräsentanten der Männer, unter deren Führung ich meineLehrjahre durchgemacht habe. Von der Generation, mit dermich meine Wanderjahre in Italien in Beziehung gebrachthatten, fand ich 1897 in Florenz und Rom nur noch drei,Böcklin, Gerhard und W. Helbig.
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