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zu verheiraten. Sobald meine Zukunft einigermaßen in festereBahnen einzulenken schien, beschloß ich, mich um die Handmeiner lieben Frau, Marie Müller, die ich schon in Marburg als Repetent gekannt hatte, zu bewerben. Sie war die Tochterdes in Marburg 1850 gestorbenen Obergerichtsdirektors I. I.Müller und dessen zweiter Ehefrau geb. Wegner und lebte1866 in Kassel bei einer damals schon verwitweten SchwesterHenriette von Ran. Ihre Familie gehörte dem guten alt-hessischen Beamtenstande an und zählte unter ihren Vor-fahren u. a. auch eine Schwester Philipp Melanchthons . ImHerbst 1866 verlobten wir uns. Noch heute habe ich dasgroße Glück, meine Frau an meiner Seite zu haben. FünfKinder wurden uns in der Ehe geschenkt, von denen unsleider vier in frühesten und frühen Jahren entrissen wor-den sind.
Da ich 1866 noch nicht definitiv angestellt worden war,wollte ich nicht eher in die Ehe treten, als bis meine Exi-stenz vollständig gesichert sei. Ich schrieb deshalb an denvortragenden Rat im preußischen Unterrichtsministerium 1).Ludwig Wiese und bat um feste Anstellung, während derDirektor Rieß meine Angelegenheit in Kassel offiziell betrieb.Schon sah ich mich in Rinteln nach einer Wohnung um, alseine abermalige und dieses Mal eine dauernde Wendungmeiner Geschicke eintrat. Mein früherer Lehrer und Vorge-setzter, der Professor und Bibliothekar Dr. E. L. Th. Henkein Marburg , schrieb an mich, ob ich das durch den Tod desProfessors Dr. K. Vorländer frei gewordene Sekretariat ander Marburger Universitätsbibliothek übernehmen wollte; essei freilich nur mit 1800 Mk. jährlich dotiert und ich hättetäglich 4—5 Dienststunden, doch sei jetzt wohl Aussicht aufeine Aufbesserung vorhanden. Ohne Bedenken nahm ich an,nnd Geh. Rat Dr. I. Olshausen, der Referent in preußischenUniversitätsangelegenheiten, schrieb mir in einem sehr freund-lichen Briefe, ich könne der Ernennung sicher sein. Wäredieser Zwischenfall nicht eingetreten, so würde ich als zweiter