zuzubringen. Aber der Zufall wollte es anders. In Treysa stieg ein alter Schulfreund in mein Coupe, der mit mir dasMaturitätsexamen gemacht hatte, und nun auch in Marburg studieren wollte. Er hatte sich dort schon ein Logis besorgenlassen und lud mich ein, bei ihm die erste Nacht zuzubringen.Er konnte es um so leichter, als er mit einem Vetter zusam-menwohnte, dessen Bett noch leer stand. Ich nahin die Ein-ladung dankbar an und so zogen wir dann freudig bewegtin Marburg ein. Ich war sehr gespannt auf die Stadt. Sieimponierte mir, als wir sie durch das Elisabethtor betraten.Da standen zwei, wenn auch nicht lange Reihen immerhinstattlicher Häuser. Unmittelbar rechts unter dem Berge lagein großes Gasthaus, damals „Europäischer Hof" genannt.Ihm gegenüber machten einige ueugebante Häuser einen freund-lichen Eindruck. Und dann die herrliche Elisabethenkirche, dasPrachtportal von zwei schlank wie kristallinisch aufsteigendenTürmen flankiert! Der „Zahn der Zeit" schien an ihnen ver-geblich genagt zu haben. Ich vergesse den Eindruck nie, densie damals auf mich gemacht haben. Daß er sich immerwiederholt, so oft ich an ihr vorübergehe, beweist, wie tief erwar. Gewiß, man hat wohlgetan, daß man ihre Um-gebung in einen kleinen Park verwandelt und das niedrigeWirtshaus des Eisenkepplers mit dem ständigen Gaste, dem altenFechtmeister Harms, dem Waterlvokämpfcr, abgetragen hat.Aber so etwas von dem mittelalterlichen Parfüm verlierendoch alle diese mittelalterlichen Dome, wenn man sie aufeinen so glatt gemachten Präsentierteller setzt, und sie allerihrer Ein- und Umbauten, seien sie an sich noch so häßlich,beraubt.
Mittelalterlich im bösen Sinne sah es aber in Marburg sonst noch genug aus. Zwar imponierte dem Fuchs, deraußer Kassel noch keine größere Stadt gesehen hatte, auch der„Ritter ", der zweite Gasthof der Stadt, durch seine Größe.Auf meine Frage an meinen Begleiter, ob denn hier ein sostarker Verkehr sei, belehrte mich dieser, in den Gasthöfen seien