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Aus dem Leben eines deutschen Bibliothekars : Erinnerungen und biographische Aufsätze / von Otto Hartwig. [Hrsg.: Erich Liesegang]
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seine Examensstudien gemacht. Ein Onkel von ihm, der seinenFleiß aufmuntern wollte, hatte einige Schuldfordernngen vonManichäern aufgekauft und ihn auf Grund diesereinspun-den" lassen.

Und doch führten trotz dieserPauverte" die Studentenein ganz munteres und vergnügtes Leben. Freilich es warauch nicht so teuer wie heutzutage in Marburg . Es gabMittagstische von 3 Silbergroschen an für den Tag, an denenman sich satt essen konnte. Ein Mittagstisch für 5 Silber-groschen galt schon als etwas üppig; bezahlte man doch im erstenGasthofe der Stadt für ein opulentes Mittagsessen, freilichmit Weinzwang, 6 Thaler für den Monat. Wer sich denLuxus gestatten und warm zur Nacht essen wollte, konntedas sehr gut auf dem Museum schon für 25 Pfennige. DerSchoppen Bier kostete 8 Pfennige.

Waren so die Preise für Essen, Trinken und Wohnengar niedrige, so waren auch die Ansprüche, die die Studentenan das Leben machten, noch ganz unverhältnismäßig geringer,als die sind, welche heutzutage erhoben werden.

Namentlich machte das Verbindungsleben noch keine soexorbitanten Ansprüche an den Geldbeutel als gegenwärtig;dafür war das Verbindnngsleben, selbst bei den beiden Korps,die hier existierten, ein viel freieres und seinem ursprüng-lichen Zweck, den geselligen Verkehr der Studierenden in An-lehnung an die älteren Universitätssitten in anständigen For-men zu Pflegen, weit entsprechender als heutzutage. Mautrat in eine Verbindung, sei es Korps oder Verbindung, ein,um sich besser mit guten Kameraden zu amüsieren und inden Gewohnheiten und Formen, die einmal vorhanden waren,seine Studentenzeit, die für so manche den Höhepunkt ihresLebens bildete, munter und fröhlich zu genießen. Da warnoch nichts von jener Drillung zu verspüren, in der jetzt dieHauptaufgabe des Verbindungstreibens gesucht wird. DasWertlegen auf Patentheit und geziertes Auftreten war damalsnoch wenig entwickelt, wenngleich natürlich, wie schon das