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Aus dem Leben eines deutschen Bibliothekars : Erinnerungen und biographische Aufsätze / von Otto Hartwig. [Hrsg.: Erich Liesegang]
Entstehung
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traten die wenigen hier saldierenden Jnden im Studenten-lebcn sehr zurück. Und doch befanden sich gerade unterden Wenigen junge Männer, die sich als Gelehrte, Schrift-steller und Großindustrielle einen bedeutenden Namen gemachthaben.

Auch fachwissenschaftlichc Vereine bestanden damals nochnicht oder waren in ihrer ersten Bildung begriffen. Daß diePharmazeuten, die ja immer eine gewisse Sonderstellung anden Universitäten einnahmen, sich zuerst zu derartigen Verbin-dungen zusammenschlössen, ist begreiflich. Selbstverständlich tru-gen sie damals noch keine Farben. Ich habe es bedauert, wenn sichsolche konfessionelle oder rein fachwisscnschaftliche Vereine oderVerbindungen bildeten. Sie konnten nur als Nährboden fürVorurteile und Einseitigkeitcn wirken. Wir standen um dieMitte des vorigen Jahrhunderts unter den: Eindruck der Defi-nition, die damals ein konservativer und kirchlicher Professor,A. von Schadow, von dem deutscheil Studenten gegeben hatte,er sei ein durch Freiheiten erkennendes und durch Erkenntnisfreies Wesen." Die akademische Freiheit ist in der zweitenHälfte des neunzehnten Jahrhunderts im Vergleich mit dererstell dieses Säkulnms den Studierenden kaum von denRegierungen verschränkt worden. Wo sind die Demagogen-hetzer und die Mainzer Zentraluntcrsuchungskommission ge-blieben? Und doch wieviel unfreier und gebundener ist dieakademische Jugend von heute gegen die jener schweren Zeiten!Sie hat sich aber selbst gebunden durch eine Menge von Äußer-lichkeiten, durch größeren Aufwand und Beschränkungen aller-art, soweit sie sich noch in Korporationen zusammenfaßt.Waren diese früher ein Mittel zum Zwecke, nämlich sich dasLeben auf der Universität heiter durch freundschaftlichen Ver-kehr und Zusammenstehen in freien Formen die nur denjugendlichen Überschwang bändigen sollten genuß- und lehr-reich auszugestalten, so ist jetzt vielfach an die Stelle desfreien, ungezwungenen Komments ein Drill, eine Steifigkeitdes Verkehrs, eine Wertschätzung äußerer Disziplin, ein Luxus