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selbst nach seinem Sturze in das Kasinv meldete, fiel er beidem Ballotcment durch. Das legte der damalige Polizei-direktor Sunkel als eine politische Demonstration aus und„versunkelte" d. h. schloß die Gesellschaft. Auf direkten Be-fehl des Kurfürsten wurde sie aber sofort wieder geöffnet undein Festessen veranstaltet, dem der Polizeidirektor selbst bei-wohnen mußte. Es ist einigermaßen verwunderlich, daß dasHoch auf den Kurfürsten, das bei dieser Gelegenheit ausgebrachtworden ist, von den heutigen Apologeten (1902) des Kur-fürsten nicht als ein sprechender Beweis der Beliebtheit deshohen Herrn im ganzen Lande angezogen worden ist!
Bei der immerhin geringen Zahl der Mitglieder derbeiden Gesellschaften kam natürlich keine von ihnen auf einengrünen Zweig: das Museum wurde immer mehr, wie mauheute sagen würde, eine Juxgesellschaft, in der die alten Herrendes Abends kneipten, die Studenten Billard spielten, billig zurNacht aßen und im Sommer im Garten des Museums kleineTheaterstücke und selbst Operetten aufführten. Das Kasinowar vorzugsweise eine Lesegesellschaft, in deren Räumen sichabends zum Kartenspiel und zur Konversation Professoren,Beamte und Pensionäre zusammenfanden. Alle fünf biszehn Jahre wurden Versuche gemacht, die beiden Gesellschaf-ten wieder zu verschmelzen; die denn auch zeitweise gelangen,aber nie dauernden Bestand hatten. Erst nach manchen Fehl-schlügen scheint es jetzt gelungen zu sein.
Eine dritte exklusivere Gesellschaft, die aber kein beson-deres Lokal hatte und die nur monatlich zu einem Ball odereiner Theateraufführnug zusammenkam, übte keinen großenEinfluß aus. Zu ihren Festen konnten Studenten nur alsGäste mitgebracht werden. Diese „Sonntagsgesellschaft" ginganfangs der fünfziger Jahre auch ein.
In allen diesen Gesellschaften verkehrten die Mitgliederder Universität, des Beamtenstandes, die Offiziere der Gar-nison , die hier vorübergehend in einem Bataillon, dann nurin einer Kompanie bestand, und die größeren Kaufleute ohue