62
das heutigentags der Fall zu sein scheint. Allerdings warihre Lehrweisc noch eine andere als jetzt. Der Unterricht inden seminaristischen Anstalten war noch nicht sehr entwickelt.Es gab freilich schon ein philologisches, ein historisches nndein homiletisches Seminar und ein Dozent übte die Juristenin praktischer Arbeit. Aber alles das war noch nicht so ent-wickelt lote in neuerer Zeit. Dagegen war der Verkehr derStudenten mit ihren Lehrern, wie nur scheint, damals einungezwungenerer. Die Professoren luden ihre Zuhörer ein,gaben kleine Tanzgesellschaften und trafen auf dem Kasinooder Museum mit ihnen zwangloser zusammen. Ich habeals krasser Fuchs öfter mit den Berühmtheiten Billard ge-spielt, ohne daß daran Anstoß genommen worden wäre. DerUmstand, daß die Universität damals so wenig zahlreich be-sucht war, die Professoren also ihre Zuhörer leicht übersehenund kennen lernen konnten, mag dazu beigetragen haben, denVerkehr beider zu erleichtern nnd gemütlicher zu gestalten.
Ebensowenig steif war das Verhältnis der meisten Pro-fessoren zu den übrigen Honoratioren der Stadt. Die Gesell-schaft war damals (1850) in zwei Teile gespalten: das Mu-seum und das Kasino. Dieses hatte sich aus jenem gebildet,da die Studenten es durchgesetzt hatten, ordentliche d. h. voll-kommen gleichberechtigte Mitglieder der Gesellschaft zu wer-den. Da also die Mehrheit von Leuten gebildet wurde, diekein Interesse an einer soliden Verwaltung hatten, sah sichdie Mehrzahl der Professoren veranlaßt, eine neue Gesell-schaft zu gründen, in der die Studenten auch ihre Rechtehatten, aber über das Vermögen nicht abstimmen konnten.Nur wenige Professoren, die sich zur demokratischen Parteizählten, wie der Anatom Fick z. B., blieben der alten treu.Von den Studierenden traten dem Kasino nur der Wingolfund einige einzelne bei. Die Hassenpflugiancr suchten sichnun im Museum unterzubringen, was unter anderen auchdem Regierungsdirektor Wegner gelang; den Professor Ilsenahm man aber nicht auf. Als sich der Minister Hassenpflug