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Aus dem Leben eines deutschen Bibliothekars : Erinnerungen und biographische Aufsätze / von Otto Hartwig. [Hrsg.: Erich Liesegang]
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die Mitte des Jahrhunderts sich in deindeutschen Universi-tütsdorse Marburg", wie Leopold v. Ranke wohl bei den Be-suchen bei seinem jüngsten Bruder Ernst die hessische Univer-sitätsstadt gelegentlich genannt hat, sich eine Reihe ausgezeichneterjüngerer Gelehrter zusammengefnndcn hatte, wie sie kaum eineandere deutsche Hochschule besaß, so war dieses dem Zufallzu verdanken, oder bei ihrer Berufung der Kurfürst hinterdas Licht geführt worden. Da nun aber die meisten der vomKurfürsten mit der Leitung der Geschäfte betrauten Ministerkeine Einsicht in die Aufgaben der Wissenschaften besaßen undder hyperkirchlichen und absolutistisch gesinnten Hassenpflng-Bilmarschcn Partei angehörten, so war es wirklich fast Zu-fall, wenn eine Berufung glücklich ausfiel.

So hatte man es leicht, den Lehrstuhl der Chemie 1841mit Robert Bansen zu besetzen, der Lehrer dieser Wissenschaftan der polytechnischen Schicke in Kassel war. Der PhilologTh. Bergk ferner war vor seiner Berufung Gymnasiallehrerin Kassel bis 1842 gewesen. Als im Jahre 1845 die Pro-fessuren für mittelalterliche Geschichte und alttestainentlicheTheologie zu besetzen waren, bewirkte der Professor derNationalökonomie Bruno Hildebrand , der damals die Univer-sität in Kassel bei dem Landtage vertrat, daß sich die Auf-merksamkeit auf H. v. Sybel und Gildemeister richtete. Damitaber der damalige Kurprinz und Mitrcgent nicht an der Be-rufung gestört werden könne, wurden die Kasseler Buch-händler veranlaßt, die Schrift der beiden Gelehrten gegen denheiligen Rock zu Trier aus ihren Schaufenstern weg zu nehmen,damit von ihr keine Kunde in das Palais dringe.

Nach dem Weggang Sybcls nach München 1856 hatteder Senat als dessen Nachfolger Reinhold Pauli vorgeschlagen.Der betreffende Referent, der dem Kurfürsten die Bernfungs-urknnde unterbreitete, bemerkte dabei, es sei zu hoffen, daßder Universität in ihm ein tüchtiger Dozent gewonnen sei.Als er aber auf die Frage des Kurfürsten, woher er daswisse, antwortete, der Herr v. Sybel habe ihm das gesagt,

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