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Aus dem Leben eines deutschen Bibliothekars : Erinnerungen und biographische Aufsätze / von Otto Hartwig. [Hrsg.: Erich Liesegang]
Entstehung
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ich ihm denn meine Bedenken gegen die Berguickung des Ku-ratoriums einer Universität mit der Stelle eines Konsistorial-präsidentcn nie verhehlt habe.

Seine Berichte über die Zustände der Universität Marburg für den vorgesetzten Herrn Minister habe ich nicht zu hören be-kommen. Er hat mir wohl einzelnes post keMunr gelegent-lich daraus mitgeteilt und meinte, ich dürfe sie lesen. InWirklichkeit können sie nicht sehr ungünstig gelautet haben.Es sind ja auch der Universität manche Eigentümlichkeiten denaltprenstischcn Hochschulen gegenüber erhalten geblieben.

Neue Statuten sind ihr freilich verliehen worden: diebestehenden waren tatsächlich veraltet. Aber man hat hier dochauch z. B. den Senat nicht als einen Ausschuß aus der Gesamt-zahl der ordentlichen Professoren der Universität konstituiert,sondern ihn als Versammlung aller Ordinarien beibehalten.Diesen hat man auch kein besonderes Amtsornat, die sogenann-ten Talare, vnlgo Kittel, aufgedrängt, die der romantischeFriedrich Wilhelm IV. an seinen Universitäten eingeführt hatund die wesentlich znr Steigerung der Professoraten Exklusivitätund Eitelkeit beigetragen haben. Ebensowenig ist eine Ver-änderung in betreff der Honorare für die Vorlesungen be-ziehungsweise der Befreiung von ihnen beliebt worden. Aufden altprenßischen Universitäten herrscht bekanntlich das Stun-dnngsprinzip, d. h. man stundet den unbemittelten Studentendie Zahlung der Honorare bis zu deren Anstellung, währendman in Marburg den wirklich Unbemittelten die Honoraresofort ganz erließ. Nachdem im Ministerium längere Zeithindurch die altpreußische Gewohnheit für die bessere gehaltenworden war, hat man sich jetzt dort von dem Gegenteil über-zeugt, wie mir glaubhaft erzählt wurde.

III.

Auch in der Verwaltung der Universitätsbibliothek wurdezunächst gar nichts geändert. Man hielt dieselbe im Ministe-rium für wohlgeordnet, wie einmal der Ministerialreferent