Druckschrift 
Aus dem Leben eines deutschen Bibliothekars : Erinnerungen und biographische Aufsätze / von Otto Hartwig. [Hrsg.: Erich Liesegang]
Entstehung
Seite
78
Einzelbild herunterladen
 

78

liegen, die ich damals auch in verschiedenen Aufsätzen, nament-lich derGrenzboten", ausführte.

Diese Sorgen waren unnötige gewesen! Denn nun be-willigte das Abgeordnetenhaus kein Geld für die neu zukreierende Stelle eines Kurators für die Universität Marburg .Roedeubecks längerer Aufenthalt in Marburg war damit un-möglich geworden. Sein Gönner versetzte ihn daher 1871nach Halle, Ivo durch den Tod des bisherigen Kurators dessenAmt erledigt war. Der Plan war, ihn dann später doch nochnach Kassel an die Spitze des Konsistoriums zu stellen, einGedanke, den auch der Minister Falk noch hegte, aber, wieschon erläutert, nicht zur Ausführung zu bringen vermochte.

Roedenbeck ging ungern von Marburg weg und mansah ihn auch von feiten der Universität nicht gern scheiden.Hatte er auch bei dem Übelwollen, von dem sein hoher Chefbei der Kammer zu leiden hatte, nicht allzuviel materiellfür die Universität durchsetzen können, so erkannte doch diegroße Mehrheit der Professoren das Wohlwollen, die Gerechtig-keit nnd die angenehmen Formen des ersten preußischen Kura-tors der Universität Marburg bei seinem Abschiede gern an.Waren doch vor dem großen Kriege mit Frankreich dieMittel für die Universitäten und Schulen vom Finanzministerüberhaupt viel schwerer zu erlangen als in späteren Jahren.

Ich habe hier diese Dinge, wenn auch in aller Kürze,erzählt, weil sie doch vielleicht einiges Interesse für solchehaben, die sich einmal mit der Entwicklung der kirchlichenVerhältnisse der Heimat beschäftigen und sie neben Roe-denbeck kanm jemand so genau gekannt hat als ich.Denn eben er hat mir in Halle, als die Wasser abgelanfenwaren, sebst viel davon erzählt und mir auch die Privatbriefennd Aktenstücke zum Teil vorgelesen. Er war zufrieden mitseinem Geschick. Nur wenn er auf die Treulosigkeit nnd Bor-niertheit mancher hessischer kirchlicher Würdenträger zu sprechenkam, regte er sich auf und sein sonst freundliches Gesicht nahmeinen bittern Zug an. Widerspruch konnte er vertrage», wie