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nicht vorgekommen. Falk, dar sich in Hessen persönlich zuinstruieren gesucht hatte, sah daher von Roedenbeck ab, wasihm dieser in Berücksichtigung der Umstände nie nachgetragenhat. Hat er ihm doch nach seinem Sturze noch einen Ab-schiedsbesuch gemacht und ihm für alles Persönliche Wohl-wollen gedankt.
Da sich Roedenbeck, der seinen kirchlichen Ansichten nachmit den Anhängern Vilmars sehr weit hätte gehen können,diese prinzipiell versagten, und er weder an dem KasselerOberpräsidinm, wenigstens solange der Herr v. Möller andessen Spitze stand, noch an den hessischen liberalen Abgeord-neten in Berlin eine Stütze fand, wäre er in der Tat inHessen kaum haltbar gewesen. Hatte doch auch schon einmalin dem Abgeordnctcnhause eine aus Konservativen, Zentrnms-lenten und Radikalen gebildete Majorität dem Minister v.Mähler die nötigen Geldmittel zu der von Roedenbeck 1870auf einer außerordentlichen Shnode mit großer Mühe zustandegebrachten Kirchenverfassnng versagt.
Solange Herr v. Mähler an der Spitze der Unterrichts-verwaltung stand und im Hanse der Abgeordneten eine liberaleMajorität vorhanden war, hörte der Krieg zwischen beidennicht auf. Übrigens hatte der Minister keine Stütze an deinleitenden Staatsmanne, der ihn wohl längst schon gerne be-seitigt hätte. Das mußte auch Roedenbeck empfinden. Hatteer früher das Kuratorium der Universität Marburg im Neben-amt als Präsident des Gesamtkonsistorinms in Marburg führen sollen, so war daraus wenigstens vorläufig nichts ge-worden. Herr v. Mähler suchte nun aus dem Kuratoriumder Universität eine selbständige Stelle zu machen: natürlichsollte Roedenbeck Kurator werden. Dagegen wäre bei derallgemeinen Bildung des Mannes nichts einzuwenden gewesen,während die dauernde Verbindung der Kuratorialstelle mitdem Präsidium des Konsistoriums doch etwas Unnatürlicheshat. Die freie Hochschule unter die Leitung des Präsidentendes Kirchenregiments zu stellen, muß schweren Bedenken unter-