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Preußen verheiratet, so daß später auch die hessischen renitente»Pastoren wohl ihre Hoffnung anf die Einmischung Bismnrcksbeziehungsweise der Familie Pnttkamcr in die hessische Kirchen-frage setzen konnten.
Nun so weit wie diese Ideen Hoffmanns reichten diePlane des Herrn v. Mähler vielleicht nicht. Aber er hatdoch wohl daran gedacht, die evangelischen Kirchengemeinschaftcnder Provinz Hesscn-Nassan unter ein Konsistorium zu stellen,dessen Sitz Marburg werden solle. Da die nassauische Landes-kirche eine nnicrte war und von den drei evangelischen Ge-meinschaften, die im Kurstnat Hessen bestanden, auch eineschon seit 1817 uniert war, so hätte ja das an sich keine prin-zipiellen Schwierigkeiten gehabt, wenn man nicht mit dem hinterallerlei formellen Einwendungen sich verbergenden kirchlichenFanatismus, sowie mit persönlicher Herrschsucht und politischemFanatismus zu rechnen gehabt hätte.
So schrumpften die anfangs hochfliegendcn Pläne derBerliner Kirchenmänner bald zusammen nnd man war zu-frieden, wenn man nur für die kirchenreginientliche Leitungder reformierten, lutherischen nnd nnicrten Kirchengcmein-schaftcn des neuen Regierungsbezirks Kassel eine einheitlicheOberbehörde, nicht etwa unter dem Oberkirchcnrate in Berlin ,sondern dem Preußischen Kultusministerium in Kassel zustandebringen und eine Synodalordnnng einführen konnte. Undnicht einmal Das wurde erreicht, ohne daß eine AnzahlPastoren aus ihren Ämtern entfernt werden mußte. Aucherwies es sich als notwendig, daß man Rocdcnbcck, den nichtnur Mähler, sondern auch der liberalere Minister Falk au dieSpitze des Kasseler Konsistoriums hatte stellen wollen, falle»ließ. Einzelne der Spitzen der althessischen Kirchenbehördcnzeigten sich bei dieser Gelegenheit von einer Doppelzüngigkeitund Ungcuiertheit in der Wahl ihrer Mittel — man korrespon-dierte z. B. unter falschem Namen in die „Allgemeine Zeitung ",— daß der Minister Rocdenbeck gegenüber äußerte, ihm sei einesolche Verlogenheit, wie die ihm gegenüber bewiesene, noch