Druckschrift 
Aus dem Leben eines deutschen Bibliothekars : Erinnerungen und biographische Aufsätze / von Otto Hartwig. [Hrsg.: Erich Liesegang]
Entstehung
Seite
75
Einzelbild herunterladen
 

hatten, mich mit seinem persönlichen Vertrauen geehrt undmir allerlei Vorgänge in seinem amtlichen und privaten Lebenoffenherzig erzählt. Hatte er einzelne, fast schrullenhafteAnsichten, so traten diese doch sehr zurück gegen seine schönenKenntnisse in dein Fach der Literatur und Geschichte. Seinehöchsten Interessen lagen allerdings fast ganz auf dem Ge-biete der Kirche, der er ja auch die letzten Jahre seines Lebensals Konsistorinlpräsidcnt zu Magdeburg , keineswegs im Diensteeiner Partei, seine besten Kräfte ausschließlich gewidmet hat.

Zur Zeit als Rocdenbeck als Vertrauensmann des Kultus-ministers v. Mahler nach Marburg kam und an die Spitzedes Konsistoriums gestellt wurde, Herbst 1867, wurden inBerlin allerlei Pläne, die sich auf die Gestaltung der kirch-lichen Verhältnisse in den neu erworbenen Provinzen bezogen,in den maßgebenden Kreisen ventiliert. Der einflußreicheGencralsupcrintcndent Hoffmann wollte die Gelegenheit be-nutzen, um eine bessere Zusammenfassung des Protestantismusanzubahnen. Es war dabei keineswegs auf Herstellung einerdogmatisch fundierten Kirche abgesehen, sondern er wollte beivollkommener Wahrung des Konfessionsstandcs der Einzclkirchender annektirtcn Provinzen nur eine Angliederung des Kirchcn-regimcnts an das der alten Provinzen hergestellt wissen. Erhatte den König Wilhelm, der, wie er selbst sagte, kein pro-testantischer Papst sein wollte, für seine Idee gewonnen. Siemußte aber fallen gelassen werden, da der Graf Bismarck mit seiner Entlassung drohte, wenn man ihm noch kirchlicheSchwierigkeiten bereite.Ich habe nirgends Ruhe", sagte erzu Hofsmann,weder am Hofe, noch im Ministerium, nochim Parlament, noch mit meinen alten Freunden, nur nochin meinem Hanse; stört Ihr mir auch die, dann scheide ich aus."

So erzählte Hoffmann selbst bei Reinhold Pauli sehrausführlich und drastisch. Zur Erklärung muß man wissen,daß die F-ran v. Bismarck, wie die ganze Familie Puttkamer,streng lutherisch, nnionsfeindlich gesinnt war. War doch einePuttkamer mit dem Haupte der separierten Lutheraner in