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Aus dem Leben eines deutschen Bibliothekars : Erinnerungen und biographische Aufsätze / von Otto Hartwig. [Hrsg.: Erich Liesegang]
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kannte General von Bothnicr, sprachen sich privatim ihmgegenüber rückhaltslos über die tranrige Rolle ans, die dieBayern hier zn spielen hätten, während der österreichischeGeneralstabschef, Baron v. H., geradezu unanständige Aus-künfte von ihm verlangte. Als das Recht in Hessen nieder-geschlagen war, trat Cochcnhausen mit der großen Mehrzahlseiner Kameraden wieder in den Dienst. Sein rechter Better,der sehr einflußreiche Berliner Polizeipräsident von Hinkeldey,hatte ihm auf Grund seiner Frankfurter Vergangenheit denÜbertritt in die preußische Armee zu vermitteln angeboten.Aber Cochenhansen lehnte ab und blieb im hessischen Gencral-stabe, dessen Chef er vorübergehend interimistisch wurde. Aneine definitive Ernennung zu dieser Charge war aber nichtzu denken. Denn Cochenhansen war als liberal bekannt undmit den besten, dem Kurfürsten jedoch verhaßtesten Kameraden,den Weiß, Beß, v. Baumbach, Engelhardt, v. Titfurth usw.nahe befreundet. Um ihn los zn werden, versetzte der Kur-fürst den kurzsichtigen Offizier, der lange Jahre nicht imFrontdienste gestanden hatte, als Bataillonskommandeur nachMarburg . Es blieb ihm nichts anderes übrig, als um seinePensionierung einzukommen. Er erhielt sie sofort und zogmit einer Jahrespcnsion von 2700 Mk., von der er sechsKinder, darunter fünf Söhne, erziehen sollte, nach Marburg .Vermögen besaß er gar nicht. Ganz unbedeutend war dasseiner beiden ältesten Söhne; die zweite Frau hatte ihm nichtsmitgebracht, obwohl sie die Tochter des zu seiner Zeit so be-liebten Bonner Pandektisten Mackeldey war. Aber sie wareine kluge, feingebildcte, überaus tätige Fran, die sich wieihr Mann, tapfer in ihr Schicksal fand und sich wacker durch-schlug, bis nach einigen Jahren ihr ein Legat von 36000 Mk.von feiten des reichen Hamburger Großkaufmanns Jänischzufiel. Sie war bei ihm vier Jahre Gesellschaftsdame gewesen.

In dieser Situation war es, daß ich Cochenhansen kennenund bald hoch schätzen lernte. Er war ein Mann von großemWissen in historischen und geographischen Dingen und über