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vielmehr konnte auch er allein dem treueil Minister eine,wenn auch kleine Schaar von politischen und kirchlichen Partei-gängern zuführen. Es befanden sich unter diesen allerdingssehr bedenkliche Leute, von denen einige, sogar hervorragende,wegen Diebstahls und Unterschlagung verurteilt werden muß-ten. Das Volk nannte den hessischen Treubund „Stehlbund".Viele von der Gesellschaft waren moralisch sehr zweifelhaftenWertes, man kann sagen, es klebte den von Hassenpflng ver-wendeten Zivilstaatsdienern eine notn maculae an. ImTroß der Gesellschaft befanden sich aber auch Kerntrnppen.Das waren vor allem die orthodoxen Geistlichen, zum Teilrecht hcrrschsüchtige Gesellen, die aber von der Wahrheit undGerechtigkeit ihrer Sache überzeugt waren. Es befanden sichunter ihnen auch einige wahrhaft fromme Seelsorger, die beiihren beschränkten und ganz engen politischeil Anschauungenmit der Reaktion gingen, weil sie ihnen die stärkste Bürg-schaft für die Verwirklichung ihrer persönlich gut gemeinten„kirchlichen Ideale" zu bieten schien. Es befanden sich Män-ner voll einer unglaublichen Rttckständigkeit in den einfachstenKnltnrfragen unter ihnen. Man predigte z. B. gegen dieFeuerversicherungen, weil durch diese Gott in seiner Straf-justiz gehemmt werde. Nicht minder gegen den Ban derEisenbahnen. Ein hieran anknüpfender Aufsatz muß sich auchim „Hessischeil Volksfreund" von 1850 finden, den mandamals dem Dr. Otto Vilmar, dem Sohne August Vilmars,zuschrieb.
Ich habe wohl in ihren Kreisen Bedenken gegen dieEhe des Kurfürsten aussprechen hören. Aber man war jabei der Maitressenwirtschaft seiner Vorfahren schon an nochSchlimmeres gewöhnt worden. Immerhin lieferten sie aberdoch den zuverlässigsten Teil der Anhängerschaft Hasscnpflngs.Auf dem platten Lande, wo der Pfarrer mit dem Fürsten einen gewissen Einfluß ausübt, war er in der Tat nicht un-bedeutend. Jedenfalls war er stärker, als der des größten-teils unbemittelten Adels, der noch dazu keineswegs in allen