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seine zahlreiche Familie sich recht einschränken mußte. Unddas nm so mehr, als der Hausherr für seine Verpflegunggroße Ansprüche machte, z. B. jeden Mittag eine Flascheteuren Weines trank. Nach seinem am 10. Oktober 1862erfolgten Tode befand sich die Familie in recht dürftigerLage. Die brave beschränkte Witwe, eine geborene v. Münch-hansen, mußte, wie schon gesagt, nm sich und ihre nnerwach-scnen Kinder zu ernähren, einen Mittagstisch für Studenteneinrichten und wurde deshalb unter anderem einmal mit denübrigen Speisewirten zur Abgabe einer Steuerdeklaration aufdas Rathaus zitiert. Das soll der armen Frau das Schmerz-lichste gewesen sein.
Dergestalt hatte der politische Hazardspieler in allen öf-fentlichen und privaten Beziehungen Bankerott gemacht. Nichtso schlimm ist es seinem Genossen Vilmar ergangen. Da ernicht Gcneralsnperintendent werden sollte, wollte ihn der Kur-fürst zum Prafessor für Germanistik und deutsche Literaturin Marburg ernennen. Das Dekret soll schon vollzogen ge-wesen sein, da wußten seinen Wünschen entsprechend seineFreunde am Hof durchzusetzen, daß er znm Professor derTheologie an der Landesnniversität gemacht wurde. Dietheologische Fakultät war natürlich mit keinem Worte befragtworden und man kann sich leicht vorstellen, mit welchenEmpfindungen die Männer, die noch kurz vorher in einemvon dem Dekan Gildemeister abgefaßten gelehrten Gutachtensich gegen die von Vilmar in die Mode gebrachte Auffassungdes konfessionellen Charakters der niederhessischen reformiertenKirche ausgesprochen hatten, den neuen Kollegen aufnahmen!
Und der selbstbewußte streitsüchtige Mann sorgte dafür,daß sein Verhältnis zu den Kollegen kein freundliches werdenkonnte. In einer Schrift, die er gleichsam als Programmfür seine Professorate Wirksamkeit erscheinen ließ und die er„Theologie der Tatsachen wider die Theologie der Rhetorik"")
IjBckenntnis undAlnvchr.Marburg >854. Anst.8, ebcndort 18üt>.