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Hoffnung, daß der Bruder dein Erschossenwerdcn entgehenkönne. Nun weiß sie es anzufangen, als Gehilfin bei derVerwalterin des Gefängnisses anzukommen und in dieser Stel-lung schafft sie Mittel und Wege zur Flucht. Zunächst gelanges, ihn als krank ins Spital zu bringen, von wo aus dasEntrinnen leichter zu bewerkstelligen war. Hillebrand, einausgezeichneter Turner, sollte mit einigen Mitgefangenen denAusweg durch die Kloaken nehmen. Aber unterwegs packtihn die Stickluft, er wird ohnmächtig, und damit an derRomantik nichts fehle, trägt ihn einer der Gefährten, ein fran-zösischer Frcischärler, dem er selbst in einem Gefecht dasLeben gerettet, auf seinen Schultern hinaus ins Freie. Siekommen an den Rhein , badischc Dragoner setzen ihnen nach,die Kugeln pfeifen ihnen um die Ohren. Da erbarmt sicheine gute Seele am französischen Ufer; ein Kahn kommtherbei und sie sind gerettet."
So hat L. Bamberger in der „Deutschen Rundschau"kürzlich die Flucht Hillebrands aus den Kasematten Nastattsnach der besten Quelle erzählt'), und ich habe dem nichtshinzuzufügen, als die erklärende Notiz, daß die SchwesterMarie ihren Bruder zunächst nur in das Krankenhaus ge-bracht hatte, um ihn dort wenigstens die Aufhebung desKriegsgerichts und die darnach von selbst eintretende Erleich-terung der Haft erleben zu lassen, daß der Gefangene aber dochschon einige Tage vor der Beseitigung der Standgerichte entfloh.Denn meldet der Rastattcr Korrespondent der „AllgemeinenZeitung " am 28. Oktober 1849: „Die Standgerichte für die inUntersuchung stehenden Gefangenen haben, Gott sci's gedankt,
l) Giaeomo Barzellotti in seiner am 22. Dezember 1884 in demOircnio kilologico cli Uironre gehaltenen Vorlesung über Karl Hille-brand kann diese nm einen Zug ergänzen: Als die Flüchtlingedie unterirdischen Gänge verlassen hatten, wären sie in der hellenMondnacht fast noch einer Schildwache in die Hände gefallen. DerVortrug des Professors Giaeomo Barzellotti ist im ^.rclnvio stnricnItaüano Vc>I. tö (1885,) abgedruckt.