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dem für die Aufrechterhaltung der deutschen Reichsverfassungin Baden und der Pfalz ausgebrocheueu Ausstände anzuschließen.Wer jene Jahre als junger Mensch mit durchlebt hat, oderauch nur weiß, welche Männer in ihrer Jugend an diesemAufstande mehr oder weniger direkten Anteil genommen haben,wird diese „Jngendeselei" nicht härter beurteilen, als dasHillebrand in den späteren Zeiten seines Lebens selbst tat.Jene Jahre bildeten eben die Sturm- und Drangperiode dernationalen Erhebung Deutschlands , und es gärte vielfachedlerer Most in diesen jungen Leuten, als bei denen zu findenist, welche in tadelloser Korrektheit von ihrem ersten Semesteran nur nach dein fragen, was ihnen eine möglichst beschleu-nigte und sichere Karriere fiir die Zukunft zu verheißen scheint.
Da Hillebrand über die Teilnahme an dem Feldzugespäter nicht gern sprach, sind wir über seine Schicksale währenddesselben nur sehr ungenügend unterrichtet. Wir wissen dahernur, daß er bei der Kapitulation von Rastatt mit den Trup-pen Corvins gefangen wurde und täglich seiner Verurteilungdurch das Kriegsgericht entgegensah. Da seine Familie dieGefangennahme durch die Zeitungen erfahren hatte, machtesich die Schwester Marie auf den Weg nach Rastatt , um wo-möglich den Bruder von dem Tode zu retten. Mit Emp-fehlungsbriefen des hessen -darmstädtischcn Ministers Jaup andie damaligen Leiter der badischen Politik ausgestattet, erhältdas mutige Mädchen von diesen wenig tröstliche Nachrichten:der Bruder werde dem Kriegsgericht nicht entgehen. Nichts-destoweniger setzte Marie die Reise fort, kam nach Rastatt und wußte sofort mit einem Trupp Soldaten in den innerenHof der Kasematten einzudringen. Glücklicherweise traf siedort sofort ihren Bruder, der sich gerade mit seinen Mit-gefangenen ein wenig Bewegung machen durfte. Die Ge-schwister flogen einander in die Arme. „Der wachhabendeOffizier fährt sie barsch an, sie stellt sich geistesvcrwirrt; ererkennt alsbald, daß ein Wesen von ungewöhnlicher Art vorihm stehe, und behandelt sie gut; doch läßt auch er keine