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Aus dem Leben eines deutschen Bibliothekars : Erinnerungen und biographische Aufsätze / von Otto Hartwig. [Hrsg.: Erich Liesegang]
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tig auf Anmeldung vau Zuhörern wartete, klopfte es au seineTüre. Der jugendliche Gelehrte wirft sich in Position, umden zukünftigen Schüler der Wissenschaft würdig zu empfangen.Aber hcreintritt nur der Bruder Karl?)

Hätte dieser länger in Gießen ausgehalten, so würde erallerdings auch ein Zuhörer seines Bruders haben werdenkönnen; denn im Frühjahre 1848 ließ er sich als Studiosusder Rechtswissenschaft immatrikulieren. Ich denke mir aber,daß er in dem Sommersemcster 1848, dein unruhigsten, daswohl die deutschen Hochschulen je erlebt haben, keine tiefenStudien in den Institutionen des römischen Rechts gemachthaben wird. Das Stndentenleben übte auf den unter Stu-denten Aufgewachsenen seinen gewaltigen Zauber aus. Erhabe sich auch auf der Mensurherumgehanen", wie er mireinmal später unwillig erzählte. Doch ging er nicht in diesen<guerelles cl'^llemaircl auf. Schon als ausgezeichneter Turnerwar er in die politischen Zeitbewegungen, an denen die Turn-vereine damals so lebhaften aktiven Anteil nahmen, hinein-gezogen. In Gemeinschaft mit seinem Bruder Wilhelm undzahlreichen anderen Studenten Gießens beteiligte er sich dennauch an den: Frankfurter Scptember-Aufstande. Der VaterHillebrand, hierüber unglücklich, fand es deshalb geraten, seinebeiden jüngsten Söhne eine Zeitlang aus Deutschland zu ent-fernen. Er schickte sie znr Fortsetzung ihrer Studien auf dieUniversität Straßbnrg . Doch es half ihm das nicht viel.Im Frühjahr 1849 von dort zurückgekehrt, entfernte sichKarl doch im Sommer 1849 heimlich aus Gießen , um sich

t) Über die Jugend Karl Hillcbrands geben jetzt dieEr-innerungen an Karl Hillebrand ", die F. Dernüurg im FeuilletonderNationalzeitung" 1886 Nr. 181 n. ff. veröffentlicht, sehr er-wünschte Aufschlüsse. Nur in der Chronologie scheinen einige Ver-stoße zu herrschen; z. B. ist K. Hillebrand in den Gießener Studenteu-vcrzeichnissen erst seit Ostern 1848, und nicht seit Ostern 1847, alsStudent aufgeführt. Man hat mir auch von feiten des Gymnasiumszu Gießen mitgeteilt, K. Hillebrand sei Ostern 1848 aus Oberprimaabgegangen.