13«
heranwuchsen, der Vater nicht mehr war, besser gewesen, sowürde durch seinen Einfluß schon ein regelmäßigerer Fleißbei den Schülern erwirkt worden sein. Aber die Knaben hat-ten in den Unterrichtsstunden einiger Lehrer die Freiheit, zutun, was sie wollten; vor anderen war wegen ihres Privat-lebens die persönliche Achtung eine minimale. Karl Hille-brand war in der Prima der Schule der Redakteur einerSchulzeitnng, welche die Schwächen dieser Herren nicht schonte,und genugsam ist es bekannt, daß die Schulhumoresken E.Ecksteins auf tatsächliche Vorkommnisse des Gießener Gym-nasiums jener Jahre zurückzuführen sind. So war denn KarlHillebrand für seine Jugendbildnng wesentlich auf die Elementeangewiesen, welche ihm Eltern und Geschwister allerdings inreichlicher Weise unwillkürlich zuführten. Dazu kam noch,daß im elterlichen Hanse wiederholt Knaben aus guten eng-lischen Familien als Pensionäre lebten. Die Vertrautheit mitdem praktischen Gebrauche der englischen Sprache datiert alsoWohl bei ihm aus früher Zeit. Nicht minder seine Vorliebefür eine Art der Lebensführung, wie sie bei englischen Knabendamals Wohl schon selbstverständlich, bei uns aber noch un-erhört war. Es wird uns berichtet, wie er nach der Lektüredes Bnlwerschen „Pelham" sich auch englisch getragen habe.
Nahm unser Freund bei seinen Mitschülern wegen seinergeistigen Gaben, seiner großen körperlichen Gewandtheit, seinerSelbständigkeit und Unbekümmertheit um die Schulfnchsereieine leitende Stellung ein, so stand er bei der weiblichenJugend als ein neckischer und übermütiger Geselle nicht ingroßer Gunst. Eine Hausgenossin von ihm hat mir wieder-holt versichert, sie hätten sich alle vor ihm gefürchtet. Aberauch Männern spielte er gern einen Possen. Der ältesteStiefbruder Julius, der sich als Germanist einen Namen inder Rechtswissenschaft gemacht hat und in jungen Jahren(1868) als Professor der Rechte in Freibnrg im Br. gestorbenist, war in Gießen als Privatdozent habilitiert. In den erstenTagen des Semesters, als der angehende Dozent sehnsttch-