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Dallwigk seit 1850 über das Großherzogtnm Hessen ver-breitete, ein Dorn im Auge. Er wurde deshalb auch baldwiderrechtlich im administrativen Wege aus dem Amte verdrängt.Hochbctagt ist er erst 1871 bei seiner ältesten Tochter, welchein Rödclhcim und dann bei Soden im Taunus berühmte Er-ziehnngsinstitute für junge Mädchen begründet hatte, verstorben.
Der Vater Hillebrand war zweimal verheiratet gewesen.Die zweite Frau, einer rheinfränkischen Familie aus Rödel-heim bei Frankfurt entsprossen, fand schon vier Kinder, zweiKnaben und zwei Mädchen, im Hause vor. Sie schenkte ihremGatten noch drei Kinder, zwei Söhne und eine Tochter, vondenen Karl der jüngste war. Es war eine geistig hoch-begabte, ja merkwürdige Frau, diese Mutter Karl Hillcbrands,voll eigentümlicher Ideen und selbständiger Überzeugungen,wohlunterrichtet, voll einfacher biblischer, nicht kirchlicher Fröm-migkeit. Bei großer Einfachheit und Natürlichkeit wird ihreine Anmut der Erscheinung und des ganzen Wesens nach-gerühmt, die besonders auf ihren jüngsten Sohn übergegangensei. Leider war sie eine kränkliche Frau, welche furchtbarvon Kopfschmerzen geplagt war, bis sie die Schlvindsneht, diein der Familie noch andere Opfer dahingerafft haben soll,erfaßte und 1847 früh ins Grab warf.
' Die älteste Tochter des Hauses, Marie, eine tatkräftigeund in sich klare Natur, übernahm nun die Führung desHausstandes und die Pflege ihrer jüngeren Geschwister.
Wie es in so manchen Häusern von Gelehrten zu gehenpflegt, welche bei ihren Studien und Berufsgeschäften sichnicht allzuviel um die Schulbildung der Kinder bekümmernkönnen, waren auch die Söhne des Professors Hillebrand aufsich selbst angewiesen. Sämtlich wohlbegabt, selbständigenWillens, mochte vielleicht auch der Vater seinen Söhnen nachseinen pädagogischen Grundsätzen eine größere Freiheit zu-billigen, als sonst der Jugend in der Regel gewährt zuwerden pflegt. Wäre das Ghmnasinm in Gießen , dessen Direk-tor in den Jahren, in denen die jüngeren Söhne des Hauses