Karl Hillebrand ist geboren am 17. September 18L!lzu Gießen, wo sein Vater als Direktor des Gymnasiums(Püdagogiarch) und als Professor der Philosophie wirkte.Dieser, aus niedersächsischem katholischen Bauernstände ent-sprossen, war ursprünglich zum Priester bestimmt gewesen,dann aber zum Protestantismus übergetreten und in Heidel-berg 1818 bei dem Abgänge Hegels nach Berlin dessen Nach-folger als Professor der Philosophie geworden. Joseph H.Hillebrand war eine feine, auf die höchsten Ideale gerichtetePersönlichkeit, die in ihrem äußeren Auftreten keine Spurvon bäuerlichem Wesen verriet, sich vielmehr in ihrer Form-gewandtheit selbst über die Mehrzahl ihrer Standesgenossenerhob. Ein ausgezeichneter Kenner der neueren deutschen Li-teratur, über deren Entwicklung im achtzehnten und neun-zehnten Jahrhundert er ein mehrbändiges, in verschiedenenAuflagen verbreitetes Werk veröffentlicht hat, hatte er sichselbst wiederholt in historischen Romanen mit lehrhafter Ten-denz versucht, ohne jedoch durch sie eine Wirkung auf dasgroße Publikum auszuüben, die der analog gewesen wäre,welche er auf die studierende Jugend zu Gießen durch seinemündlichen Vortrüge entwickelte. Kam ihm bei diesen auchseine politische und kirchliche, liberale.Richtung, welche in derakademischen Jugend Gießens in den beiden Dezennien, welcheder Revolution von 1848 vorausgingen, trotz mancher nltra-montanen Gegenwirkung, die dominierende war, zu gute, sowar es doch vor allem die charaktervolle, edle und vornehmeHaltung, die rastlose, sich nie genugtnende wissenschaftlicheEnergie des Mannes, welche die Jugend an ihn fesselte.Jetzt ergraute Männer sprechen noch heutigentags dankbarund freudig bewegt von dem sittigendcn und veredelnden Ein-flüsse, den der „alte Hillebrand" auf die akademische JugendGießens ausgeübt habe.
Ein solcher Mann war selbstverständlich der nltramon-tanen Reaktion, die sich unter den Fittigen des Ministers v.