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Aus dem Leben eines deutschen Bibliothekars : Erinnerungen und biographische Aufsätze / von Otto Hartwig. [Hrsg.: Erich Liesegang]
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ihm nagte. Er bekam in den wohlhabenden deutschen Knnf-mannsfamilien der Stadt viel zu tnn und übernahm auchan einigen Colleges den Unterricht in der deutschen Sprache.Ein junger Mann, der als würdiger Repräsentant germanischerSchönheit gelten konnte, heiter, im Verkehr mit Männern undFrauen sehr gewandt und mit all den Borzügen ausgestattet,welche ihren Grund in der Liebenswürdigkeit des ganzen in-neren Wesens haben, wurde er bald ein Liebling der bestenKreise der reichen Kaufmannsstadt. Er drohte ganz in derGeselligkeit unterzugehen. Indessen fehlte es ihm bald auch nichtan ernsterer nachhaltiger Freundschaft. Frau Jessie Lnnssot,welche durch ihren Brief an die Tante sein Schicksal mit-bestimmt hatte, nahn: sich jetzt ihres einnndzwanzigjährigenSchützlings aufs treneste an. War sie auch nicht älter alser, so war sie doch weit welterfahrcner und lebenskundigerals der junge Mann, der vor einem Jahre noch die buntedeutsche Stndentenmütze getragen hatte.Sie war in denersten Jahren seines Aufenthaltes in Bordeaux seine Egeria,"schreibt mir ein alter Freund Hillcbrands aus Bordeaux.Übrigens verließ sie schon 1853 Bordeaux für immer. Doch auchtreue Freunde waren Hillebrand bald gewonnen. In Blähehatte er Giovanni Merlo, einen jungen, in Wien gebildetenObcritaliener, kennen gelernt, den die Revolution gleichfalls ausseiner Heimat vertrieben und an die Ufer der Garonne ver-schlagen hatte. Das Verhältnis mit ihn: hat bis zum Todebestanden. Merlo ist der letzte der alten Freunde Hillcbrandsgewesen, der ihn noch wenige Tage vor seinem Tode auf derDurchreise durch Mailand gesehen hat. Aber auch Franzosen und Engländer schlössen sich an Hillebrand an. Vor allenwaren es drei Bekannte, mit denen er namentlich in den letz-ten Jahren seines Aufenthaltes in Bordeaux fast täglich ver-kehrte, und deren Namen ich hier schon deshalb nenne, weiler mit ihnen in innigem Verkehr verblieben und ihnen seineBücher gewidmet hat: I. Henri Desbats, Charles Lcspineund Kcnelm Digby Wingsield.