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das unter Preußens Führung neu aufgerichtete Deutschland ausgesprochen hatte, ohne deshalb irgendwie belästigt wordenzu sein, folgte nach dem Ausbruche des Krieges nur seinerinneren Stimme, als er um seinen Abschied bat. Es sprichtwohl die persönlichste Erfahrung aus seinen Worten: „Ja,es bedarf für den in Frankreich lebenden Deutschen nicht ein-mal solcher Katastrophen, um sich manchmal recht hinauszu-sehnen aus den weichen Formen des schönen Scheines in dieAtmosphäre schroffer Wahrheitsliebe, aus der Heiterkeit undden: verfeinerten Lebensgenuß in die ärmliche Einfachheit undden Ernst des Vaterlandes", wo er zwar nicht gelebt hat„wie Gott in Frankreich ", wo er aber wußte, daß unter derrauhen oder geschmacklosen Außenseite doch ein gar edler,idealer Kern sich verbarg. Ist es ja doch selbst einem Heineso gegangen, als er das schöne Lied sang:
„Deutschland , du meine ferne Liebe,
Gedenk' ich deiner, wein' ich fast;
Der blaue Himmel wird mir trübe,
Das leichte Volk wird mir zur Last".
Ja, von diesem „leichten Volke" könnte Hitlebrand auchein Lied singen. Als er nach Niederlegung seines Amtes inDouay, im Begriff von Lille nach England abzureisen, ausdem Eisenbahnwagen einen vergessenen Brief nach Darmstadt dem Schaffner znm Einwerfen in den Postkasten überreichthatte, glaubte dieser und andere Bahnhofsgäste aus der Tat-sache, daß Jemand einen Brief nach Darmstadt schicke, dieGewißheit schöpfen zu dürfen, daß man in dem Absendereinen preußischen Spion vor sich habe. Der vermeintlicheSpion wurde aus seinem Coupe gezerrt, nach der Präfektnrgeschleppt und ihm die Kleider vom Leibe gerissen. Nur derEnergie des Präfekten hatte er es zu danken, daß er nichtgelyncht wurde und am anderen Tage auf Umwegen seineReise fortsetzen konnte! Er begab sich nach England , um mitdem Editor der „Times" einen Vertrag abzuschließen, inFolge dessen er als Korrespondent nach Italien ging; er