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gerecht geworden ist, und unser Volk mit Aufzeigung seinerschwachen und angreisbaren Stellen gezeichnet hat, war füreinen billig denkenden, aus voller Kenntnis der Dinge heraus-arbeitenden Schriftsteller schon ein Erfordernis seiner künst-lerischen Natur. Denn nicht kontrastierende Zusammenstellungen,sondern die Abtönung der zu einer Einheit zusammengefaßtenKontraste verraten die Wahrheit und zeigen den Künstler,lind ein Schriftsteller, der die Form nach künstlerischen Ge-sichtspunkten handhabte, war Hillebrand in Frankreich geworden.Der Sinn für Wahrhaftigkeit, das Bedürfnis, den Dingenrücksichtslos auf den Grund zu gehen, hatte er aus seinerHeimat mitgebracht.
Es ist hier, wo wir das Leben Hillebrands erzählenwollten, nicht der Ort, näher auf den Inhalt seiner essay-istischen Arbeiten einzugehen oder gar eine Darstellung dersie durchziehenden Grundanschaunngcn zu geben. Es würdedas auch keine leichte Aufgabe sein. Denn so feststehend fürihn auch gewisse Grnndzüge zu sein scheinen, so wenig ein-fach ist es, diese zu einer Gesamtanffassnng der Dingezusammenzufassen. Die Neigung, die hier und da zutagetritt, die Resultate seines Denkens zu einer möglichst scharfenPointe zuzuspitzen, die Paradoxien, in denen seine zuweilenhöchst subjektive Beurteilung von Zuständen und Personensich Luft machte, erschweren es noch dazu, den Kern seinerLebensanschaunngen sicher und rein aus der schönen Hülluugherauszuschälen. Hillebrand wollte ja auch nicht lehrhaftwirken, während er allerdings belehren, vor allem aber an-regen und im besten Sinne des Wortes unterhalten wollte.Dabei war die erste Voraussetzung: das Vermeiden jeder Ver-letzung des guten Geschmackes, jedes taktlosen Sichgehenlassens.Die großen gesellschaftlichen Gaben des Autors machen sichauch in seinen literarischen Essays geltend. Er selbst schriebsich „uir cerlmiir imturek cke cuuserie kairüliere" zu. Beieiner cuuserie ist es aber nicht auf die Entwicklung und Be-gründung von letzten Wahrheiten und Überzeugungen ab-