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Stellung in dem dortigen Istituto snperiore angenommen,so war er jetzt doch sofort entschlossen, die an ihn vonMünchen aus gestellte Anfrage abzulehnen. Ich habe Hille-brand im Oktober 1874 bis an die Türe des MinisterialratsDr. Völk in München begleitet, als er diesem Herrn persönlichfür den an ihn crgangencn Ruf seinen Dank abstatten wollte,kann also die hier und da bezweifelte Tatsache einer Berufungausdrücklich bekräftigen. Aber wie merkwürdig, während derMann auf ein Amt verzichtete, das ihn: nach den in Deutsch-land geltenden Anschauungen auch äußerlich eine Stellung inder Gelehrtenznnft verschafft Hütte, empfand er das innereBedürfnis, ein großes, nach streng wissenschaftlichen Grund-sätzen gearbeitetes Werk zu schreiben, durch das er sich demdeutschen Gelehrtcnstande nicht als unebenbürtig erweisen wollte.
Wollte? Ich glaube allerdings, daß etwas von dieserAbsicht bei ihm wirksam war. Hillcbrand hatte so wieder-holt auf die schwachen Seiten des zünftigen deutschen Ge-lehrtenstandes hingewiesen, namentlich in allen möglichenspitzigen und ironischen Wendungen darauf hingedeutet, wieman hier vor lauter Methode die Sache nicht mehr zu sehenbeginnt, wie die landesübliche Vernachlässigung der Formallen Erfolg verderbe, da die Geschichtschreibung keine Wissen-schaft, sondern eine Kunst sei. Bei einer so durch und durchnoblen Natur, in der das Chevnlereske im besten Sinne desWortes prüvalierte, machte sich das Bedürfnis geltend, nunauch einmal selbst zu zeigen, daß er nicht nur zu tadeln undzu spotten verstehe, sondern auch imstande sei, das, waser bei anderen vermißte, selbst zu leisten. Es lag gewißetwas in ihn:, das es ihm unangenehm machte, von Fcrner-stehenden zu jener nicht ganz seltenen Spezies von Neid-hämmeln gezählt zu werden, die sich an der zünftigen Ge-lchrtenwelt reiben, weil sie bei ihrem Versuche, in sieaufgenommen zu werden, Schiffbruch gelitten haben. Aberdiese Empfindung wird doch auch nur akzessorisch bei ihmmitgewirkt haben, als er sich an ein Werk setzte, dessen Aus-