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gekommen war, mit denen zu schildern, in welchen er schrieb,so lag es ihm ferner, uns in sein Elternhaus und seineFamilie einzuführen. Wir erfahren daher in ihnen nur ganzgelegentlich über diese etwas Genaueres und sind auf Nach-richten Dritter angewiesen.
Die Familie Bamberger war eine langlebige. Der Groß-vater, ein milder, freundlicher, bis in sein hohes Alter geistes-frischer Mann, von dem einzelne Züge auf seinen Enkelübergegangen sein sollen, ist 99 Jahre alt geworden. DerVater, August Bamberger, war zur Zeit der französischenRevolution in Paris gewesen und dann nach Mainz zurück-gekehrt, wo er offiziell als „Handelsmann" bezeichnet wird.Er scheint kein bedeutender Mensch gewesen zu sein. Erstarb am 4. Februar 1858 nach längeren schweren Leiden.Ganz anderen Geistes war seine zweite Frau, Amalie geb.Bischoffshcim, mit der er sich am 23. Dezember 1818 ver-heiratet hatte. Diese, Mutter von sechs Kindern (drei Söhnen unddrei Töchtern), von denen Ludwig das Zweitälteste war, bildeteden geliebten Mittelpunkt der Familie. Sie erzog ihre Kinderin großem Respekt vor ihrem Vater, dessen geringere Rollediese erst erkannten, als sie erwachsen waren, und pflanzteihnen treue Geschwisterliebc ein. Alle verzogen namentlichdie „Benjaminc" der Familie, die, mit dem berühmten Lin-guisten M. Breal in Paris verheiratet, am frühesten von ihnenstarb. Es kennzeichnet den Geist, der in dieser Familie herrschte,daß Frau Breal noch in ihren letzten Willensaufzeichnungenihre Söhne ermähnte, niemals zu vergessen, daß sie einedeutsche Mutter gehabt hätten. Diese Gesinnung hatte siewiederum von ihrer Mutter überkommen, die, eine echte Main-zern:, voll lebhaften, beweglichen Geistes in jedem Augenblickebereit war, mit einer frischen, treffenden, volkstümlichen Wendungdie Situation zu zeichnen. Ihr Sohn Ludwig, dessen Schriftenuns einen Teil dieses mütterlichen Wortschatzes erhalten haben,sagte mir einmal, wenn er Zeit fände, wolle er noch in seinemAlter ein Mainzer Idiotikon nach den Worten seiner Mutter