herstellen. Die treffliche Frau starb hochbetagt am 9. März1877 in Paris , von allen ihren Kindern tief betrauert. Inseinen „Erinnerungen" hat ihr Sohn Ludwig ihrer uur ge-legentlich gedacht, fast als scheue er sich, das Bild der ge-liebten Mutter der Welt, die sie nicht gekannt, vor die Augenzu stellen. Dagegen hat er ein sehr lebhaft gezeichnetes Porträtvon seiner Großmutter, der „alten Bischoffsheimerin", dem„alten steinernen Frauerl", entworfen. Eine seltene Energie,große Verstandesschärfe, unbeugsame, mehr als patriarchalischeStrenge gegen alle Familienangehörigen und gleichfalls einedeutsche, gegen das leichtlebige Frauzosentum gerichtete Ge-sinnung zeichneten diese merkwürdige Frau aus. Früh zurWitwe geworden, erzog sie ihre Schar von Kindern in schwie-rigen Verhältnissen so, daß ihre beiden Söhne zu hoch an-gesehenen Bankherren von europäischem Rufe heranwuchsen(Er. S. 224 u. f.). Hat mau diese Seiten gelesen, dann über-kommt einen eine Ahnung von der geheimnisvollen Kraft,durch die der jüdische Volksstamm bis in unsere Tage hineinseine Eigenart und Abgeschlossenheit behauptet, nicht minderaber auch seine großen Erfolge in der Welt sich errungenhat. Ich möchte fast glauben, daß diese Beherrscherin ihrerFamilie es auch gewesen ist, die ihren begabten Enkel Lud-wig -Ostern 1842 zum Studium der Jurisprudenz „bestimmte".
Über seine Schuljahre hat uns Bamberger in den „Er-innerungen" nur ganz kurze, ihn persönlich kaum näher be-rührende Mitteilungen gemacht. Er hat es z. B. im Gegen-satz zu manchen modernen Selbstbiographen verschmäht, unsüber das Ergebnis seiner Abgangsprüfung zu unterrichten,obwohl er sich dessen wahrlich nicht zu schämen gehabt hätte,es vielmehr vorgezogen, uns uur den Geist, der damals aufder Schule und in der Stadt herrschte, mit wenigen charak-teristischen Strichen zu zeichnen. Da er ein schwacher, „faden--artig" aufgewachsener Junge war, ist seine Entwicklung alsSchüler während der 8^ Jahre, in denen er das Gymna-sium besuchte, keine ganz gleichartige gewesen. Seine Zeugnisse