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Aus dem Leben eines deutschen Bibliothekars : Erinnerungen und biographische Aufsätze / von Otto Hartwig. [Hrsg.: Erich Liesegang]
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schwanken. Doch war seine Ausbildung schon auf höhereZiele gerichtet. Er hatte z. B. neben dem Gymnasialunter-richt bei einer Französin Privatunterricht in deren Mutter-sprache und trieb Italienisch . Als Primaner hat er dannfleißig gearbeitet und Ostern 1842 verließ er als der mitdem besten Zeugnisse unter 11 Abiturienten ausgestatteteSchüler die Anstalt. Hatte er doch im Deutschen, im Latei-nischen, im Griechischen, im Französischen, in der Geschichteund im Italienischen (Nebenfach) das Prädikat vorzüglich, inder Mathematik und Naturkunde sehr gut erhalten. SeinTalent und sein Betragen wird als vorzüglich bezeichnet, i)Obwohl die Mainzer sich noch nicht so recht als Unter-tanen des Großherzogs von Hessen fühlten, verstand es sichdoch für sie fast von selbst, daß, wenn einer von ihnenstudieren wollte, er in den ersten Semestern die Landesuni-versität Gießen besuchte. Diese Hochschule, damals durchI. Liebig weltberühmt, erfreute sich sonst keiner besondershervorragenden Lehrkräfte. Die Stadt selbst war, wie Bam-berger sich ausdrückt, damalsein abscheuliches Nest, vonaller Kultur unberührt". Die Sitten der Studiosen und dieZustände innerhalb der Professorenschaft sind aus den drasti-schen Schilderungen, die.Karl Vogt in seiner Selbstbiographievon ihnen entworfen hat, bekannt genug. Bamberger schildertsie mehr von ihrer humoristischen Seite, findet aber an ihnenim Gegensatz zu dem heutigen Universitätslebeu mancherleiLobenswertes, hat der Stadt und Universität ein gutes An-denken bewahrt und sie zwanzig Jahre später einmal mitseiner Frau aufgesucht. Denn es reizte ihn, den Ort wiederzu sehen,an dem er die ersten anderthalb Jahre seiner

1) Unterschrieben ist dieses glänzende Zeugnis, dessen Abschriftich der Freundlichkeit des heutigen Herrn Gymnasialdirektors G.Weihrich verdanke, von dem Oberstudienrat Dr. I. Hillebrand, demVater Karl Hillebrands, der als Gießener Professor das Examenleitete, und von dem Oberstudienrat Dr. Steinmetz, dem Direktordes Mainzer Gymnasiums.

Hartwig, Aus dem Lebeu.

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