Druckschrift 
Aus dem Leben eines deutschen Bibliothekars : Erinnerungen und biographische Aufsätze / von Otto Hartwig. [Hrsg.: Erich Liesegang]
Entstehung
Seite
194
Einzelbild herunterladen
 

194

Studienzeit in eigentümlicher und zugleich in bestimmenderWeise für seine eigene künftige Gcistesrichtung zugebrachthatte." Diese Einwirkung auf ihn ging nicht von den Lehrernder juristischen Fakultät aus, obwohl deren Kollegien pünkt-lich besucht und in ihnen fleißig nachgeschrieben wurde.Man kann auch nicht sagen, von den Professoren der philo-sophischen Fakultät, wenn auch die Vorlesungen I. Hillebrandsgehört wurden. Bambergerdürstete" wie einige Freunde,die von der Schule her Politisch und radikal aufgelegt waren,allerdings vor allemnach philosophischer Erkenntnis". Siezu gewinnen, lasen sie eifrig die Schriften der damals herr-schenden Hegelschen Schule und disputierten auf ihren Stubenund Spaziergängcn über deren kaum verstandene Weisheit;zu ihrem persönliche,: Führer erkoren sie sich aber merk-würdigerweise hierbei M. Carriere. Bamberger brachte demliberalen und patriotisch gesinnten Privatdozenten, den Heidel-berg von sich gestoßen hatte, die Kollegien mit zustandeund blieb mit ihm auch bei allen späterhin sich noch steigern-den Differenzen in den Lebensanschanungen freundschaftlichverbunden. Die Hauptsache war, daß ein heiliger Eifer nachErkenntnis und ein heftiges Suchen nach Wahrheit die Ge-müter dieser jungen Gießener Studenten erfüllte. Die jungenLeute, und unter ihnen auch Bamberger, wurden damals aller-dings auchzu früh fertig" (Er. S. 12), aber das in einemganz anderen Sinne als heutigen Tages. Wenn man liest,was der körperlich keineswegs starke, von Bluthusten undSchleimfieber heimgesuchte Studiosus Bamberger neben denjuristischen Vorlesungen an philosophischer und belletristischerLektüre verschlungen hat, dann staunt man doch über diesenFleiß und diese Rezeptivität. Auch in Heidelberg , wohin erim Herbste 1843 übergesiedelt war, setzte er diese Studienfleißig fort. In Gießen lag damals das politische Lebenganz darnieder und die Studien waren nur abstrakteren Gegen-ständen zugewendet gewesen, in Heidelberg nahmen sie schoneine mehr praktische Wendung. So wurde hier die National-