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ökonomie nicht vernachlässigt, daneben aber auch durch denEintritt in eine freie burschcnschaftliche Verbindung, die so-genannte Walhalla, der Betätigung der politischen Überzeugun-gen einiger Raum geschaffen und persönliche Verbindungen fürdas ganze Leben angeknüpft. Daß das Gewicht positivenjuristischen Wissens am Schliche des fünften Semesters nichtallzu schwer sei, wußte Bambergcr sehr wohl. Das Ge-schlecht von „Einpaukern" gab es damals noch nicht. Erbeschloß deshalb sich an eine Universität zurückzuziehen,die im Rufe stand, daß man auf ihr „ochsen" könne. Mitzwei Bekannten ging er daher in: Herbste 1844 nach derMnsenstadt an der Leine und bezog mit ihnen ein gemein-schaftliches Logis. Die drei guten Kameraden lebten noch miteinander befreundet, als Bambergcr seine „Erinnerungen"niederschrieb. In diesem Semester wurde nun von früh siebenUhr an bis zum Mittagessen Ins getrieben, von 3 bis8 Uhr abends ebenso, später musiziert und gelesen, ein Kollegaber nicht gehört. Bei solch intensivem Studium der Juris-prudenz, bei dein allen ihren Teilen die gebührende Auf-merksamkeit geschenkt wurde, konnte es nicht fehlen, daßsich dem Kandidaten die Pforten derselben weit genug auf-taten, so daß er im Frühjahre 1845 in Gießen „ohne Be-klemmung" sein Faknltätsexamen, bei dem er die Kosten fürdas Doktordiplom nur zuzuzahlen hatte, bestand. Daraufwurde er zum „Rechtsakzessisten" (Referendar) ernannt undder Kanzlei des Appellhofes zu Mainz zugeteilt.
Da galt es nun ganz neue Studien zu machen. Wardie juristische Ausbildung bis dahin nur eine rein theoretischegewesen, so mußte sich der junge Akzessist nun in die Forma-litäten des Gerichtswesens hineinarbeiten. Und damit nichtgenug! Im linksrheinischen Hessen galt noch die französischeGesetzgebung des Code Napoleon , von der Bambergcr bisdahin gar nichts gehört hatte. Doch fand er sich nicht allzuschwer in dieses Recht hinein. Er machte nicht nur hier son-dern auch später in Paris die Erfahrung, daß alle die Jn-
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