die den umschlagenden Wind verrieten, regten sich auch beiihm wieder sofort die alten Interessen und Neigungen. DemAnstoße, den die deutsche Frage durch den Wechsel der Re-gierung in Preußen erhielt, legten die Flüchtlinge zwar zu-nächst keine große Bedeutung bei. Stand bei ihnen doch derPrinz von Preußen noch in zu böser Erinnerung, namentlichvon Baden her. Daß in Europa , und mittelbar dadurch inDeutschland, sich große Dinge vorbereiteten, fühlte Bamberger viel deutlicher aus der berühmten Ncujahrsredc heraus, dieder Kaiser Napoleon III . 185!) an den österreichischen Ge-sandten richtete. Der alte Habsburgische Kaiserstaat galt ihmals der Hort aller Politischen und kirchlichen Reaktion. Wurdeer aus Italien herausgedrängt, so schien ihm eine Rückwirkunghiervon auf Deutschland unausbleiblich. Nun fand der scharf-sichtige Politiker aber, daß die Stimmung des deutschen Volkes,namentlich im Süden, in dem sich immer schärfer entwickelndenKonflikte zwischen Frankreich und Österreich sich nach derösterreichischen Seite hinneige, ja daß viele seiner eigenenParteigenossen in unklarer Gefühlsaufwallung gegen die ge-rechten Aspirationen der Italiener sich ereiferten. Das drückteihm die Feder in die Hand und er schrieb anonhin eineBroschüre: „Juchhe nach Jtalia!", die leidenschaftlichste Streit-schrift, die Bamberger verfaßt hat. „Das böse PrinzipDeutschlands", die österreichische Hausmacht und alles, wasmit ihr zusammenhängt, „die Vielherrschaft, die Zerstückelung,die Dunkelheit, der Jesuitismus, der Rückschritt und die Luder-wirtschaft des patriarchalischen Polizeistaates" wird hier inTönen angegriffen, die kaum jemals so schrill und scharf ver-nommen worden sind. An diese Broschüre knüpfte sich natür-lich eine literarischc Polemik, die im weiteren Fortgangs zudem Entschlüsse führte, ein periodisch erscheinendes Organ zurBelebung der öffentlichen Meinung in Deutschland nach derdemokratischen Seite hin ins Leben zu rufen. In Verbindungmit seinen Pariser Freunden Ludwig Simon, Moritz Hart-mnnn und H. B. Oppenheim, denen sich dann rasch andere
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Aus dem Leben eines deutschen Bibliothekars : Erinnerungen und biographische Aufsätze / von Otto Hartwig. [Hrsg.: Erich Liesegang]
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217
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