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Aus dem Leben eines deutschen Bibliothekars : Erinnerungen und biographische Aufsätze / von Otto Hartwig. [Hrsg.: Erich Liesegang]
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anschlössen, wurden dieDemokratischen Studien" gegründetund zur Herausgabe derselben L. Walesrode gewonnen. Dadieser sich wenig geeignet erwies, eine derartige Sammelschristzu redigieren, und H. B. Oppenheim nach Berlin zurückgekehrtwar und sich anschickte, dieDeutschen Jahrbücher" heraus-zugeben, so ließ Bambergcr dieDemokratischen Studien"fallen und beteiligte sich an dein neuen Unternehmen. Seineerste Arbeit über die später von ihm mit so großem Erfolgebehandelte ^,Gold und Silberfrage" veröffentlichte er hier injener Zeit. Zahlreiche andere Aufsätze haben einen Neudruckin denGesammelten Schriften" gefunden. Damit aber nichtgenug, lieferte der deutsche Bankier noch an die anfangs dersechziger Jahre entstandene und von August Nefftzer geleiteteTageszeitungLe Temps" und an dieRevue moderne"Artikel literarischen und politischen Inhalts. Der alte Eiferund die Sehnsucht nach politischer Tätigkeit war wieder ganzüber ihn gekommen.Was ist das Leben ohne Geisteskampf?"frug auch er sich, wie einer seiner sich kümmerlich in Frank-reich durchschlagenden Schicksalsgenossen. Da nun aber sichin Frankreich an dein öffentlichen Leben zu beteiligen, gar nichtin der Geistesrichtnng Bambergers lag, selbst wenn es fürihn möglich gewesen wäre, so mußte er seine Blicke um sobestimmter und ausschließlicher auf Deutschland richten. Mancheder aus ihm Vertriebenen waren infolge der in Preußen ver-kündeten Amnestie nach dort zurückgekehrt. Andere, wie Fr.Kapp, bereiteten ihre Rückkehr vor, nachdem sie sich in Deutsch-land von dem dort neu erwachten politischen Leben überzeugthatten. Dazu kamen Persönliche Berührungen mit angesehenendeutschen Politikern, wie mit H. V. von Unruh, und mitMännern der Presse. Deutschland wiederzusehen, wurde daherauch ihm zu einem immer lebhafter sich gestaltenden Wunsche.Die Aussichten dazu zeigten sich anfänglich nicht gerade günstig.Als aber infolge einer Bittschrift seiner Mutter, die von altenguten Freunden, selbst ultramontan gewordenen, unterstütztwurde, 1862 eine Erlaubnis zum Besuche von Mainz einlief,

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