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kratie tos und erklärte es für die Pflicht jedes deutschen,namentlich süddeutschen Patrioten, an dem Werke der deutschenEinheit nach Kräften und Einsicht mitzuarbeiten. Nachdem er-den süddeutschen Partikularsten vorgehalten, daß nach ihremIdeale ein jeglicher Mensch sein eigener Staat sein müßte,und die Frage aufgeworfen hat: „Sagt Ihr, der Nordenwerde nicht sein Junkertum überwinden, so fragen wir: Hatdenn bis jetzt der Süden sein Perücken-Despotentnm über-wunden?", faßt er seine Auffassung der deutschen Lage dahinzusammen: „Wer da meint, es könne gelingen, in Bayern ,in Württemberg und Baden einen grünen Garten der Frei-heit anzulegen, während das Land nördlich voin Main untereiner Decke von Schnee und Eis erstarren werde, dein habenwir allerdings nichts zu sagen; und wer sich von der Posi-tiven Unansführbarkeit solcher Hirngespinste Rechenschaft gibtund versichert, es sei dennoch nichts zu tun, als seinen Grund-sätzen gemäß zu protestieren und zu hoffen, dem überlassenwir ohne Neid sein otiuin cunr ckiAiritats. Möge er, sichEhrcnkrünzc flechtend, weiter singen: 'Hoffnung, du sollstuns im Leben liebend und tröstend umgeben.' Nicht jedemist es erlaubt, sich zur reinen Priesterschaft geweiht zu haltenund die Arbeit zu verschmähen, weil sie der Erniedrigungund Herabsetzung nicht entgeht." Und an dieser seinerStimmung dem ewig räsonnierenden, nichts aber produzieren-den groß-deutschen Dcmokratcntum gegenüber hat Bambergcr bisin die letzten Jahre hinein festgehalten. Ihm gegenüber rufter nach schwersten Enttäuschungen doch: Bismark kor ever!
Im November 1866 kehrte Bamberger nach Paris zu-rück, um seine definitive Übersiedlung nach Deutschland vor-zubereiten. Noch während er dabei war, seine geschäftlichenVerbindungen mit Paris abzuwickeln, eine Aufgabe, die er,von sachlichen, naheliegenden Gründen abgesehen, schon darumfür ganz unerläßlich hielt, damit ihm nicht der wohl zu er-wartende Vorwurf bei seinen politischen Aktionen gemachtwerden könne, er handele in Abhängigkeit von seinen Pariser