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Aus dem Leben eines deutschen Bibliothekars : Erinnerungen und biographische Aufsätze / von Otto Hartwig. [Hrsg.: Erich Liesegang]
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können; und der Ehrgeiz, aus dem Vertrauen seiner Mit-bürger Vertrauen in sich selbst und dadurch Sporn und Spann-kraft zu nützlicher Tätigkeit zu gewinnen diesen Ehrgeiz,ich besitze ihn! und ich will hinzusetzen, daß ich deswegen nichtmich eitler Selbstüberschätzung hingebe" (Ges. Schr. IV, 55).Eine solche Sprache verstand man zu jener Zeit noch. Denn inweiterenKreisen als heutzutage lebte damals das heiße Verlangen,seinen: Vaterlande ohne äußere Persönliche Interessen zu dienenund mit dabei zu sein, wenn über seine Geschicke verhandeltwerde. Und weil dieser patriotische Sinn in der Menge nochvorhanden war, traute man ihn auch noch den Männern zu,die sich als Volksvertreter anboten. Erst nachdem die Politikder materiellen Interessen in den Vordergrund des öffent-lichen Lebens gehoben wurde, hat das Volk auch den Glaubenan die Jnteresscnlosigkeit seiner Vertreter verloren; und damitist dann unter der stillen und offenen Nachhilfe absolutistischerStaatsmänner das Ansehen des Parlamentarismus unter-graben worden. Auch Bamberger hat hierunter zu leidengehabt.

Man kann es beklagen, daß für einen Politiker von derpositiven Leistungsfähigkeit Bambergers kein Raum in derBcamtenhicrarchie des deutschen Reiches vorhanden war. Sicherist aber, daß dieser das Mißverhältnis nicht aus persönlichenGründen so beklagt hat, wie er es als eine Unvollkommenheitunserer Politischen und sozialen Zustünde ansehen mußte. Ihmkam es vor allem seiner ganzen Natur nach auf die Wahrungseiner individuellen Freiheit und der allein durch sie zu ermög-lichenden Einwirkung auf das öffentliche. Leben in seinemSinne an, nicht auf äußere Ehren und eine Stellung in derBureaukratie. Es ist daher ganz töricht, wenn man gesagthat, seine scharfe Opposition gegen Bismarcks innere wieäußere Politik vom Jahre 1878 an stamme daher, daß erseinen Ehrgeiz nicht befriedigt erhalten habe. Diese Insinuationheißt noch mehr den Verstand als den Charakter Bambergersbeleidigen. Als ob der kluge, der Personen und Verhältnisse

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