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so kundige Mann hätte glauben können, er, der zum Todeverurteilte Teilnehmer an dem badisch-pfälzischen Aufstande,der über König Friedrich Wilhelm III. in härtester und spöt-tischster Weise sich öffentlich ausgesprochen und 1871 eineSchrift mit den Worten abgeschlossen hatte: „In Paris sitztdie Romantik katholischen Geblüts, in Versailles , d. h. imdeutschen Hauptquartier, der Radikalismus eines Emporkömm-lings. Paris ist die Bastille, die gestürmt wird, Favre undGambetta die Legitimität, Wilhelm und Bismarck die Revo-lution. Das klingt paradox, ist aber doch so"—'), als ob dieserMann, der noch dazu dem mosaischen Bekenntnisse durch seineGeburt angehörte, je hätte glauben können, es zu einer äußer-lich hervorragenden Stellung im deutschen oder preußischenStaatsdienste zu bringen! Ferner hatte er Bismarcks Art, dieMenschen zu benutzen und wegzuwerfen, früh genug erkanntund wußte nur zu wohl, daß der Reichskanzler in Personeu-fragen mit Nichten alles bei dem Kaiser Wilhelm durchsetzenkonnte. Nach dieser Richtung hin lag sicher Bambergers Ehr-geiz nicht. Und wenn man cntgegcnhält, daß noch klügereLeute als er sich in der Beurteilung ihrer persönlichen Stel-lung geirrt und über naheliegende Hindernisse hinwegge-sehen hätten, so darf man das dem kühlen, kritischen undganz unabhängigen Manne, den der Machtbcsitz nie schwindliggemacht hatte, nicht zutrauen. Richtig ist, daß er stets viellieber den Staatswagen mit der Regierung den Berg in posi-tiver Mitarbeit hätte hinaufziehen helfen, als bei der Tal-fahrt als Hemmschuh zu dienen und sich zerreiben zu lassen.Aber er wollte lieber sich und den Interessen des Reiches,wie er sie verstand, treu bleiben, als mit dem Strome schwim-men. Er wußte sich hierbei mit anderen zu trösten, denenes nicht besser als ihm ergangen ist. Nur auf seine sozialeStellung in den besten, wenn auch nicht offiziellen KreisenBerlins legte er in den späteren Jahren noch Wert. Und
1) Zur Naturgeschichte des französischen Krieges. S. 94.