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Aus dem Leben eines deutschen Bibliothekars : Erinnerungen und biographische Aufsätze / von Otto Hartwig. [Hrsg.: Erich Liesegang]
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jetzt feindlich gegen Frankreich aufzutreten, hat er uns selbstentwickelt (Ges. Schr. I, 424). Diese Aufzeichnungen enthaltenüberhaupt wertvolle Beiträge zur intimen Geschichte dieserTage und legen uns die damaligen politischen Ansichten desKanzlers dar. Vom 14. bis 20. August befand sich das Haupt-quartier in Pont ü Mousson. Von dort wurde Bambergcrmit dem zum Präfekten von Nancy designierten Grafen Renarddorthin gesendet und dann nach Hagenau beordert, um eineoffizielle Zeitung für das Elsaß einzurichten. Nachdem diesesbesorgt war, ging Bamberger nach Baden-Baden und dannnach Heidelberg . Unter den Bureaukraten in Hagenau behagtees ihm nicht. Er stand dort auch den großen Welthändelnzu fern, während er von Heidelberg aus mit seinen nächstenParteigenossen und Freunden, die damals Süddeutschlandbereisten, um den Anschluß desselben an Norddeutschlandund die Gründung des deutschen Kaiserreiches vorzubereiten,einen lebhaften Briefwechsel unterhielt. Um auf diese aufeigene Faust politisch tätigen Volksvertreter Einfluß zu ge-winnen und nicht etwa einander entgegenwirkende politischeAktionen aufkommen zu lassen, berief Bismarck Bambergeram 27. Oktober zu sich nach Versailles . M. Busch hatte dieseAufforderung als eine Erwiderung auf einen Brief Bambergersschreiben müssen, der u. a. die Verhaftung Dr. Jakobys miß-billigt und den Kanzler aufgefordert hatte, seinen entscheidendenEinfluß wenigstens auf Herstellung eines einheitlichen Bundes-staates geltend zu machen. Über die Verfassungsfrage unddie gesamte politische Situation unterhielt sich dann auchBismarck sehr eingehend wiederholt mit Bamberger. Derpolitische Idealismus Laskers, der alle tatsächlichen Schwierig-keiten überflog und doch wieder auf der anderen Seite demPartikularismus zuviel konzedierte, war Bismarck besondersverhaßt. Um ihn und die übrigen Führer der nationalenPartei im Reichstage, die gegen die abgeschlossenen Verträgezu stimmen willens gewesen waren, hiervon abzuhalten, sendeteBismarck dann anfangs Dezember Bamberger hinter dem