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Aus dem Leben eines deutschen Bibliothekars : Erinnerungen und biographische Aufsätze / von Otto Hartwig. [Hrsg.: Erich Liesegang]
Entstehung
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3. Juni 1869 für den Herbst 1870 eine umfassende Enqueteüber die Münzfrage angeordnet. Der große Krieg verhindertezwar die Ausführung dieses Beschlusses, erleichterte dann aberdie Durchführung der Sache bedeutend. Nachdem im Mai1870 die dritte Tagung des deutschen Zollparlaments ge-schlossen war, begab sich Bamberger im Juni nach Paris , umalte Angelegenheiten zu ordnen (Ges. Sehr. I, 418). SchonAnfang Juli war es ihm nicht mehr zweifelhaft, daß derKrieg gegen Deutschland in den entscheidenden Kreisen Frank-reichs eine beschlossene Sache sei. Da die deutschen Zeitungendie spanische Affaire nicht ernst genug nahmen und Bamberger unmöglich über sie telegraphieren konnte, schrieb er an einenFreund, den Geh. Justizrat Bulling einen seiner zweiGöttinger Stnbengenossen, der in Oberstein, der französischen Grenze benachbart, wohnte, damit er sofort über die Gefahrender Lage an den Bankier Adalbert Delbrück, den Vetter desPräsidenten des Bundeskanzleramtes, nach Berlin telegraphiere.Das ist auch geschehen. Auch noch auf anderem Wege ver-breitete Bamberger die Kunde von dem drohenden Ausbruchcdes Krieges. Um ihm zu entgehen, eilte er selbst rasch nachDeutschland zurück und begab sich nach Mainz . Hier wirkteer zunächst nur im patriotischen Sinne in der Tagespresscund verkündete den Wegfall der Mainlinie innerhalb Deutsch-lands:Die Lokomotive am Main hat Kohlen und Wassergefaßt; Napoleon hat gepfiffen, wir fahren zu, und glücklicheReise, Kronprinz von Preußen!"

Am 2. August kam dann König Wilhelm mit seinemHauptquartiere und dem Bundeskanzler in Mainz an. Sofortsetzte sich Bamberger mit diesem in Verbindung und hattewiederholt vertrauliche Besprechungen mit ihm. Am 7. Auguststellte Bismarck ihm dann den Antrag, mit dem Hauptquartierein Frankreich einzuziehen; er sollte dessen Verbindung mitder Presse unterhalten. Trotz schwerer Bedenken nahmBamberger an und fuhr in einem Eisenbahncoupe mit demKanzler von Mainz ab. Die Motive, welche ihn bestimmten,